Harte Hand - DER SPIEGEL
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UNTERNEHMEN Harte Hand

Die öffentlichen Kapitaleigner wehren sich gegen Versuche der Industrie, sie aus dem Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm zu drängen.
• aus DER SPIEGEL 36/1978
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Alois Schwarz verlor die Beherrschung. »Unsere Geduld ist am Ende', polterte der Betriebsrats-Chef des Luft- und Raumfahrt-Konzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). »wir haben die Schnauze voll von diesen Pokerspielern.«

Den Wutausbruch des Belegschafts-Führers provozierten die Gesellschafter des Unternehmens. Seit zwei Jahren verhandeln die in der Holdingfirma Fides vereinigten MBB-Teilhaber Siemens, Thyssen und die französische Luftfahrtgruppe Aérospatiale mit ihren staatlichen Partnern, dem Freistaat Bayern (26 Prozent) und der Hansestadt Hamburg (20,5 Prozent), über eine industrielle Kapitalmehrheit.*

Eine zweite an MBB interessierte Dreiergruppe, bestehend aus dem Großversicherer Allianz, dem Bosch-Konzern und der Motoren- und Turbinen-Union MTU (MAN und Daimler Benz je 50 Prozent), sollte einen Teil der staatlichen MBB-Beteiligung übernehmen. Doch München und Hamburg zierten sich.

Die Staatsgesellschafter wollten sich auch bei verkleinertem Kapitalbesitz ihren Einfluß auf das Unternehmen erhalten und stellten Bedingungen. So sollte etwa nach ihren Vorstellungen nur der MBB-Aufsichtsrat über Entlassungen von mehr als 250 Beschäftigten in einem Werk oder von fünf Prozent der Gesamt-Belegschaft entscheiden. Im Aufsichtsrat aber hätten die öffentlichen Anteilseigner mit Hilfe der Arbeitnehmervertreter die Entscheidung blockieren können.

Nach einer zwischen Hamburg und München im Frühjahr ausgetüftelten »Proportionalitäts-Klausel« sollte ein etwaiger Personalschnitt ausgewogen zwischen den Werken im Norden und Süden möglich sein. Auch in der letzten Verhandlungsrunde bei dem für die Luftfahrt-Industrie zuständigen Bonner Wirtschafts-Staatssekretär Martin Grüner blieben die Fides-Gesellschafter hart: Wenn das Unternehmen nach politischen Gesichtspunkten geführt werden sollte -- dann ohne sie.

Die Staatsvertreter sollten dann das Verlustrisiko ganz übernehmen und die Anteile der privaten Eigner kaufen. Einen so teuren Wechsel auf die Zukunft mochten Hamburger und Bayern jedoch nicht ausstellen.

Statt sich aus dem riskanten Luftfahrt-Geschäft zurückzuziehen. zeigten

Willy Messerschmitt ist noch mit 16 Prozent an MBB beteiligt.

Hanseaten und Bajuwaren immer mehr Neigung, ihr Engagement auszubauen. Als der US-Konzern Boeing in diesem Frühjahr seine zwölfprozentige MBB-Beteiligung abstoßen wollte, signalisierten die Münchner Kaufbereitschaft.

In letzter Minute jedoch kam Siemens-Chef Bernhard Plettner der öffentlichen Hand zuvor und erwarb Anfang Juli das Paket. Plettner will der ungeduldig wartenden Gruppe Allianz-Bosch-MTU wenigstens zu einem Grundstock ihrer geplanten Beteiligung von 25 Prozent verhelfen.

Plettners Plan platzte. Der noch bis Ende 1979 geltenden Satzungs-Vorschrift entsprechend bat (der Elektro-Boß die Landesregierungen in München und Hamburg schriftlich um Genehmigung, die Boeing-Prozente an die Dreiergruppe weiterzureichen. Die Hamburger rührten sich überhaupt nicht, die Bayern teilten Plettner kommentarlos ihre Ablehnung mit.

Hinter der unnachgiebigen Münchner Politik sehen Insider bereits die harte Hand des künftigen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Über seinen einflußreichen Partei-Spezi Lothar Müller, Amtschef im Münchner Finanzministerium, hat Strauß den für Staatsbeteiligungen zuständigen Minister Max Streibl auf eine starre Linie gegenüber den industriellen MBB-Partnern festgenagelt.

Als Aufsichtsratschef der zu 65 Prozent von MBB kontrollierten Deutschen Airbus GmbH will Hobby-Pilot Strauß künftig auch als Landespremier eine Hauptrolle im deutschen Luft- und Raumfahrtgeschäft spielen. Zum Ärger der Fides-Genossen verfolgt er im Fall MBB eigene Pläne. Strauß brachte überraschend weitere Interessenten für die MBB-Anteile ins Spiel: die auf Militär-Elektronik spezialisierte Nürnberger Diehl-Gruppe und den über seine Münchner Panzerschmiede Krauss-Maffei im Rüstungs-Geschäft bestens etablierten Flick-Konzern. An diesen möglichen Partnern aber haben Siemens und Thyssen wenig Interesse.

Die Fides-Firmen haben noch einen Trumpf in der Hinterhand, um ihre Favoriten endlich in den MBB-Klub zu bringen. Schon lange nämlich drängt die Geschäftsführung in Ottobrunn auf eine Erhöhung des mit 85 Millionen Mark viel zu niedrigen Firmenkapitals. Vor allem die klammen Hamburger jedoch möchten ihren Anteil bei der geplanten Aufstockung des Stammkapitals um 65 Millionen Mark möglichst ohne Aufpreis in Höhe ihres Firmen-Fünftels einzahlen.

Dagegen verlangen die industriellen Alt-Gesellschafter von den anstehenden Neu-Interessenten Allianz, Bosch und MTU ein sehr viel höheres Eintrittsgeld. Statt der kargen 65 Millionen würden die MBB-Manager damit auf einen Schlag rund 200 Millionen in die Konzernkasse bekommen.

Inzwischen plant der verärgerte Arbeitnehmer-Sprecher Schwarz, in einer Sitzung des Aufsichtsrates am kommenden Mittwoch, die zerstrittenen Partner wenigstens auf ein wichtiges Nahziel festzulegen. Unter Punkt 5 der Tagesordnung ("Ergänzung der MBB-Geschäftsführung") steht die Zuwahl des Flugzeug-Professors Gero Madelung, Leiter des MBB-Bereichs Flug-Zeuge, an. Aufsichtsrats-Vize Schwarz will den Professor, einen Schwiegersohn des Bosch-Firmengründers Robert Bosch. gleich in einem Zug auf den seit April verwaisten Stuhl des Konzernchefs lieben lassen.

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