MANAGER Harte Zeiten für die Stars von gestern
Eine lange mit üppigen Gehältern und Tantiemen gehätschelte Berufsgruppe bekommt die Wirtschaftskrise immer schärfer zu spüren: Viele Investmentbanker verlieren ihre Jobs. »In den Handelsräumen wird es langsam leer«, sagt ein Londoner Mitarbeiter von Merrill Lynch. Die amerikanische Investmentbank hat in wenigen Monaten 14 000 meist hoch bezahlte Mitarbeiter entlassen. Konkurrent Lehman kündigte vergangene Woche nach mehreren Entlassungsrunden noch einmal rund zehn Prozent seiner Investmentbanker. Einer der Verbliebenen berichtet, die Entlassenen hätten eine Stunde Zeit gehabt, ihre Tische aufzuräumen und den Computer auszuschalten. Im Investmentbanking der Deutschen Bank sind die guten Zeiten ebenfalls vorbei. Der für Unternehmensfinanzierung zuständige Amerikaner Michael Cohrs entließ seit Weihnachten über zehn Prozent seiner Leute. Da gleichzeitig bei vielen Mitarbeitern die im Boom vereinbarten Garantieboni ausliefen, gingen die variablen Zahlungen drastisch zurück. Vor allem dadurch fielen im Investmentbanking der Deutschen Bank die Kosten in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 716 Millionen Euro. Noch schlimmer sieht es bei Dresdner Kleinwort Wasserstein aus. Da weltweit kaum noch Börsengänge stattfinden und der Aktienhandel darnieder liegt, löst sich die Investmentbank langsam auf. Das Führungspersonal kündigt, der neue Besitzer Allianz schließt wegen mangelnder Perspektiven viele Abteilungen.