Harvard Warten auf Ellisons 115-Millionen-Scheck
New York - Am Freitag wurde Larry Ellison um schlappe 1,6 Milliarden Dollar reicher. Auf dem Papier zumindest: Das Aktiendepot des Oracle-CEO war auf einen Schlag sehr viel mehr wert, als der Kurs seines kalifornischen Software-Konzerns nach einer starken Quartalsbilanz und einem 27-prozentigen Umsatzplus steil in die Höhe schoss. Auf der "Forbes"-Liste der reichsten Männer der Welt rückte Ellison damit vorübergehend von Platz 15 auf Platz elf vor.
Lebemann Ellison feierte das an Bord seiner brandneuen 25-Meter-Regattayacht "USA-87" vor der Küste von Valencia, wo er gerade an den Vorrennen zum 32. America's Cup teilnimmt. Jenseits des Atlantiks ist die Freude über Ellisons Gewinn freilich etwas getrübter. Zum Beispiel an der Harvard University, ihrerseits die reichste Universität der Welt.
Die wartet nämlich seit über einem Jahr vergeblich auf eine Großspende in Höhe von 115 Millionen Dollar, die ihr der wegen seiner offenen Eitelkeit branchenberüchtigte Ellison zugesagt hatte. Die Summe - eine der größten Zuwendungen überhaupt in der fast 370-jährigen Geschichte der Nobel-Uni - sollte der Global Health Initiative Harvards zukommen, die sofort ein nach dem Gönner benanntes Ellison Institute for World Health einzurichten begann. Das hatte, in Erwartung der Dollar aus dem Silicon Valley, bereits fünf Professuren ausgeschrieben und 130 Mitarbeiter eingestellt. Die Stellen wurden nun zwangsläufig wieder gestrichen, das Projekt kam auf Eis - weil der VIP-Namensgeber bisher nicht gezahlt hat.
"Er ist auf Safari"
Die leidige Sache begann im März vorigen Jahres. Da empfing der damalige Harvard-Präsident Lawrence Summers Ellison sogar bei sich zu Hause, um das Millionengeschenk per Handschlag zu besiegeln. Ellison wiederum, im ewigen Wettrennen mit seinem Erzrivalen und Mega-Wohltäter Bill Gates, prahlte mit seiner Großzügigkeit im "Wall Street Journal" und in seiner Heimatzeitung "San Francisco Chronicle". Schließlich brauchte er auch gute Publicity, stand er doch gerade unter dem Vorwurf des Insider-Handels mit Oracle-Aktien.
Dann geschah erst mal nichts. Die Insider-Geschichte wurde im November per gütlicher Einigung aus dem Weg geräumt. In jenem Monat habe er auch zum letzten Mal von Ellison gehört, berichtet jetzt Christopher Murray, der Direktor der Global Health Initiative. Danach habe der Oracle-Boss keine Telefonate mehr entgegengenommen, obwohl der Millionen-Scheck längst überfällig war. Einmal habe ihm Ellisons Vorzimmer ausgerichtet: "Tut uns leid, er ist auf Safari."
Oracle hat zu der vermissten Millionenspende bisher auf Anfragen von Reportern keine offizielle Stellungnahme abgeben wollen. In besagter gütlicher Einigung hatte sich Ellison - ohne Schuldeingeständnis - außerdem unter anderem verpflichtet, 100 Millionen Dollar an gemeinnützige Organisation zu überweisen. Auch deren Verbleib ist bisher ungeklärt.
Solvent ist Ellison allemal. Gerade erst kaufte er sich für 250 Millionen Dollar eine neue Privatyacht, das 140-Meter-Monstrum "Rising Sun" - die zweitgrößte Yacht der Welt, die, so lästert das Fachmagazin "Power & Motoryacht", "wie eine auf den Kopf gestellte Hochzeitstorte aussieht". Und das America's-Cup-Abenteuer - noch so ein Zeichen seines nautischen Ehrgeizes - kostet ihn gut 100 Millionen Dollar.
Knausriger Harvard-Spender
Der Fall des knausrigen Harvard-Spenders ist jedoch eine Ausnahme. Ansonsten bricht die US-Spendenfreude nach dem jüngsten, soeben publizierten Jahresbericht der Philanthropie-Stiftung Giving USA immer neue Rekorde.
Demnach stifteten die Amerikaner voriges Jahr über 260 Milliarden Dollar - 6,1 Prozent mehr als 2004 - für gute Zwecke: Universitäten, Krankenhäuser, Museen, Katastrophenhilfe. Größter Wohltäter: Ellison-Nemesis Bill Gates, der nun ja in zwei Jahren abdanken will, um sich ganz der Philanthropie zu widmen.
Jetzt wurde bekannt, dass auch der zweitreichste Mann der Welt, der US-Investor Warren Buffett, sein Vermögen spenden will. Dem US-Magazin "Fortune" sagte er, er werde 85 Prozent seines Vermögens an wohltätige Einrichtungen abgeben. Im Juli werde er anfangen, entsprechend 85 Prozent der Anteile seiner Firma Berkshire Hathaway zu verkaufen. Buffetts Vermögen wird auf insgesamt 44 Milliarden Dollar geschätzt.
Die 115-Millionen-Zusage von Ellison war immerhin die achtgrößte Spende im vergangenen Jahr. Doch bei dem Harvard-Scheck gilt wie so oft bei Zahlungsverzug die beliebte Beschwichtigung: "Don't worry, the check is in the mail."
"Das nächste Mal, wenn dir Larry Ellison 115 Millionen Dollar verspricht", rät Kolumnist Mike Cassidy im Silicon-Valley-Blatt "San Jose Mercury News", "vergiss den Scheck. Bestehe auf Bargeld."