Haupstadtstatus: Berlin zahlt ordentlich drauf - DER SPIEGEL
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Haupstadtstatus Berlin zahlt ordentlich drauf

Es mag prestigeträchtig sein, sich Hauptstadt nennen zu dürfen - rein wirtschaftlich betrachtet ist es ein Verlustgeschäft für Berlin. Zu diesem Schluss kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das hauptstadtbedingte Impulse und Zusatzkosten gegeneinander aufgerechnet hat.
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Berlin - Seit 1990 ist Berlin deutsche Hauptstadt, 1999 zogen Bundestag und wesentliche Teile der Regierung von Bonn nach Berlin. Die Stadt hatte ehrgeizig für diesen Status gekämpft. Trotz spürbarer Wirtschaftsimpulse zahle sie dafür aber per saldo drauf, heißt in dem Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Auf der Haben-Seite stehen den Berechnungen zufolge rund 34.000 Arbeitsplätze, die in Folge der Hauptstadtfunktion zwischen 1993 und 2004 entstanden seien. Die Bruttowertschöpfung habe sich in diesem Zeitraum außerdem um knapp 1,7 Milliarden Euro erhöht, das entspricht einem nominalen Plus von 2,4 Prozent. Nach Berücksichtigung der Umverteilungen im Länderfinanzausgleich und der Kosten im Zusammenhang mit den hauptstadtbedingten Einwohnerzuwanderungen verblieben Berlin insgesamt jährliche Mehreinnahmen von 15 Millionen Euro.

Diese wirtschaftlichen Impulse aus der Rolle als Hauptstadt ergeben sich laut DIW vor allem aus der Präsenz und der laufenden Arbeit der Bundeseinrichtungen und der Botschaften, Interessenvertretungen und Medienbüros. Dadurch sei Berlin auch für Besucher und Investoren attraktiver geworden.

Den Steuermehreinnahmen der Stadt stehen jedoch dem Bericht zufolge beträchtliche hauptstadtbedingte Aufwendungen gegenüber, etwa für die öffentlichen Sicherheit, die bisher nur teilweise durch Zahlungen des Bundes ausgeglichen würden. Per saldo mache Berlin ein Minus, berichtete das DIW.

An dem immer noch großen wirtschaftlichen Rückstand Berlins gegenüber anderen deutschen Metropolen habe sich durch die Hauptstadtrolle nichts geändert, so die ernüchternde Schlussfolgerung der Ökonomen. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner sei in Berlin nicht einmal halb so hoch wie im Durchschnitt der vier nächstgrößten Städte Deutschlands Hamburg, München, Köln und Frankfurt.

ase/dpa