Hauptversammlung: Aktionäre lesen VW-Vorstand die Leviten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hauptversammlung Aktionäre lesen VW-Vorstand die Leviten

Einen Tag nachdem der Volkswagen-Aufsichtsrat die komplette Übernahme der Skoda-Tochter genehmigt hat, hagelte es von den Aktionären Kritik. VW solle sich nicht nur um die Autoproduktion kümmern, sondern auch um den Aktienkurs.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die VW-Aktie sei zu niedrig bewertet. Das Management müsse endlich mehr tun, um den Kapitalmarkt mit entsprechenden Informationen über die VW-Strategie zu versorgen. "Es hat keinen Sinn, dass VW nur perfekte Autos baut", sagte der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DVS) auf der Aktionärsversammlung. Es sei ebenso nötig, "perfekte Kurse zu zimmern".

Nur ein ausreichend hoher Börsenwert sichere ein Unternehmen wirksam gegen eine feindliche Übernahme. VW habe derzeit eine Börsenkapitalisierung von lediglich 18 Milliarden Euro. Dies seien zwei Milliarden Euro weniger als der Börsenwert des wesentlich kleineren Konkurrenten BMW, kritisierte der DVS-Sprecher. Hinzukomme, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die EU-Kommission die Sonderrechte durch das VW-Gesetz und damit den starken Einfluss des Landes Niedersachsen kippen werde. Das Gesetz aus den sechziger Jahren schützt den ehemaligen staatlichen Autoproduzenten vor feindlichen Übernahmen. Selbst wenn jemand in den Besitz der Aktienmehrheit käme, so machten seine Stimmen bei der Hauptversammlung maximal 20 Prozent aus. Größter Simmberechtigtigter ist laut dem Gesetz das Land Niedersachsen mit 18,8 Prozent.

Auch ein Vertreter der Deutschen Bank, der für gut 7000 Aktionäre sprach, wies auf die Kursentwicklung seit der vergangenen Hauptversammlung hin. In Jahresfrist sei der Deutsche Aktienindex um 40 Prozent gestiegen, die VW-Aktie dagegen um 25 Prozent gefallen. Dieser Trend habe längst nicht alle Auto-Aktien erfasst.

Es sei enttäuschend, dass Vorstandschef Ferdinand Piëch in seiner Eingangsrede das Thema Aktienkurs mit keinem Wort erwähnt habe, hieß es seitens der Investmentbank Union Investment. "Ich teile auch nicht die Meinung einiger Vorredner, dass VW ein gutes Investment sei. Es gibt in der Welt heute eine Menge Alternativen."

Am Montag hatte der VW-Aufsichtsrat den Erwerb der restlichen 30 Prozent an am tschechischen Autoproduzenten Skoda genehmigt. Mit der Regierung in Prag sei ein Preis von 650 Millionen Mark ausgehandelt worden, hatte das Unternehmen mitgeteilt.