Haushaltsdebatte: Arbeitsmarktpolitik bleibt heftig umstritten - DER SPIEGEL
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Haushaltsdebatte Arbeitsmarktpolitik bleibt heftig umstritten

Der Etatentwurf des Arbeitsministeriums für das Jahr 2007 bot den Parlamentariern des Bundestages Anlass, über die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu debattieren. Je nach Perspektive fielen die Urteile sehr unterschiedlich aus - auch die Koalitionäre sind sich uneins.
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Berlin - Während Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verwies, äußerten FDP, Linkspartei und Grüne scharfe Kritik an der Arbeitsmarktpolitik der Koalition. Müntefering verwies darauf, dass die Zahl der Arbeitslosen 2006 zurückgegangen sei. Ebenso gebe es im Bereich des Arbeitslosengeldes II (ALG II) "erste positive Signale". Besorgt zeigte sich der Vizekanzler über die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. "Die Situation ist noch nicht befriedigend", räumte er ein. Man müsse "Druck machen", damit Schulabgänger Chancen auf einen Ausbildungsplatz hätten.

Der Ressortchef wandte sich erneut dagegen, den erwarteten Überschuss bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu einer stärkeren Absenkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung zu verwenden. Nur wenn ein weiterer Überschuss dauerhaft gesichert sei, plädiere er für eine weitere Beitragssenkung. 3,1 Milliarden Euro des Überschusses kämen aus dem Einmalvorgang der 13. Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge. Dieses Geld werde im nächsten Jahr nicht zur Verfügung stehen.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla ging sogar noch einen Schritt weiter: er sieht in den jüngsten Zahlen den Beleg für eine Trendwende. Nach einer Kurskorrektur bei "Hartz IV" seien jedoch weitere Strukturreformen am Arbeitsmarkt nötig. Im Gegensatz zu Müntefering sprach sich Pofalla dafür aus, den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung um weitere 0,5 Punkte auf 4,0 Prozent zu senken. Bei einem Überschuss von 8,8 Milliarden Euro in diesem Jahr fehlten in den Jahren 2007 bis 2009 jährlich nur rund 1,1 Milliarden Euro, um diese zusätzliche Beitragssenkung sicherzustellen.

Auch die FDP-Abgeordnete Claudia Winterstein forderte, den BA-Überschuss für Beitragssenkungen zu nutzen. Sie kritisierte zugleich, dass der Etat des Arbeitsministeriums die größten Risiken für den Gesamthaushalt enthalte. So seien die ALG-II-Kosten wie in den Vorjahren zu niedrig angesetzt. Mit einem Ausgabevolumen von mehr als 122 Milliarden Euro macht Münteferings Etat 2007 fast die Hälfte des knapp 268 Milliarden Euro umfassenden Gesamthaushaltes aus.

Mecklenburg-Vorpommerns Arbeitsminister Helmut Holter (Linkspartei) hielt der Koalition vor, sie betreibe Arbeitsmarktpolitik unter haushaltspolitischen Gesichtspunkten und nicht aus der Sicht der Betroffenen. Notwendig sei, mehr Mittel für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen bereitzustellen, mahnte Holter.

Die Grünen-Parlamentarierin Brigitte Pothmer beklagte, dass die Langzeitarbeitslosen nicht von der Belebung am Arbeitsmarkt profitierten. Der derzeitige Aufschwung sei kein Ergebnis der Arbeitsmarktpolitik der großen Koalition, sondern vor allem die "beginnende Reformdividende" der rot-grünen Vorgängerregierung.

mik/ddp/AP/Reuters