Heißes Werben Wettbieten um AOL-Töchter
Berlin - Es wäre für viele ein interessantes Geschäft. Der US-Medienkonzern Time Warner will sich vom Zugangsgeschäft seiner Sparte AOL Europe trennen, den Inhaltebereich aber behalten. Die Tochter könnte dabei sowohl in einzelne Landesteile zerschlagen werden oder komplett an einen Bieter gehen. Ein Käufer könnte mit dem Erweb seine Position auf dem schnell wachsenden Breitbandmarkt kräftig ausbauen. Allein AOL Deutschland hatte zuletzt über eine Million DSL-Kunden unter Vertrag.
Nun buhlen gleich mehrere Interessenten um das Geschäft. "Wir haben vergangene Woche unverbindliche Angebote gemacht", erklärte so etwa Telecom-Italia-Chef Riccardo Ruggiero. Der Entscheidungsprozess sei nun eine Sache von Monaten, ergänzte er. Telecom Italia ist in Deutschland bereits mit dem Internet-Anbieter Hansenet aktiv und gilt als aussichtsreichster Kandidat, da die Gesellschaft sowohl für die Aktivitäten in Deutschland und als auch für die in Frankreich biete. Über die Höhe des Angebots schwieg sich der italienische Konzern freilich aus. Experten taxieren den Wert von AOL Deutschland auf 600 bis 700 Millionen Euro.
Neben dem italienischen Konzern haben auch der Finanzinvestor Permira, sowie Freenet, Versatel und auch die spanische Telefonica Interesse angemeldet, wie die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX unter Verweis auf Branchenkreise berichtet. Sie interessierten sich aber jeweils nur für eine Tochter. Permira verfügt bereits über eine Reihe von Telekombeteiligungen, darunter ist auch der führende deutsche Mobilfunkprovider debitel.
Ihren Hut in den Ring werfen könnte auch die Deutsche Telekom, heißt es weiter. Sie habe Interesse an der französischen AOL-Tochter. Die Tochter T-Online will einer der führenden DSL-Anbieter in Frankreich werden und baut dazu ein eigenes Netz auf.
ase/dpa-AFX/reuters