Helden der Wüste - DER SPIEGEL
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Helden der Wüste

• aus DER SPIEGEL 45/1948
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Staubsauger

Der sowjetische Ministerrat liefert der Weltöffentlichkeit einen neuen papiernen Beweis seines Vertrauens in den Weltfrieden. In sechsseitigen Sonderausgaben der »Prawda« und »Iswestija« wird ein 15-Jahres-Plan zur Bekämpfung der Dürre in der Sowjetunion veröffentlicht.

Die bolschewistischen Zukunfts-Agrarier erhielten nach der 1947er Mißernte den Auftrag, die reichsten Ackerbaugebiete Rußlands vor den gefürchteten »Suchoweji« zu schützen, den trockenen heißen Winden, die aus der Richtung des Kaspischen Meeres und den mittelasiatischen Wüsten wehen und die Ernten vernichten. Planziel für 1965 ist die Verdoppelung des jährlichen Getreideertrages durch umfassenden Neuanbau auf bisher von Dürre bedrohten Ländereien.

Als Abtreter an der östlichen Eingangstür zum Sowjet-Land wird ein 5 Kilometer breiter, vierfach gestaffelter Waldgürtel angelegt. Darin sollen sich die trokkenen Winde aus dem kaspischen Gebiet, aus der roten und schwarzen Wüste und aus der Hungersteppe am Balschasch-See fangen.

80000 Kolchos-Wirtschaften mit einer Ackerfläche von 120 Millionen Hektar erhielten den Befehl, bestimmte Teile ihrer Anbaufläche aufzuforsten. Dadurch soll ein Neubestand an Wald von insgesamt 6 Millionen Hektar geschaffen werden, der die Funktion eines Wüstenstaubsaugers übernimmt.

In dem gleichen Gebiet werden 45000 zusätzliche Wasserreservoire, Talsperren und künstliche Teiche angelegt, um den ständig sinkenden Wasserspiegel zu heben. Mit Hilfe der neugeschaffenen Wasserkraft wollen die 15-Jahres-Planer den Landwirtsgenossen elektrisches Licht in die petroleumverräucherten Häuser bringen. Gleichzeitig damit ist eine großzügige Elektrifizierung aller landwirtschaftlichen Arbeitsgänge angeordnet.

Für die Planarbeit winken neue »Helden«-Titel der Sowjet-Union. Auf den auserwählten 80000 Kollektivhöfen trichtern die Kommissare ein neues Fruchtwechsel-System in die kahlgeschorenen Kolchosenköpfe. Es läßt Futtergräser mit Getreide abwechseln. Die bisherigen Versuche sollen zu Ertragssteigerungen bis zu 80 Prozent geführt haben.

»Nichts dergleichen existiert oder kann überhaupt existieren unter den Bedingungen des Kapitalismus«, kommentieren beflissen die Prawda-Redakteure den neuen 15-Jahres-Plan.

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