Hennes & Mauritz Knausrige Deutsche als beste Kunden
Stockholm Der Umsatz ist um zwölf Prozent, der Vorsteuergewinn um 15,5 Prozent geklettert. Die Zahlen der Bekleidungskette Hennes & Mauritz zum ersten Quartal (Dezember bis Februar 2003) dürften manchem Einzelhändler die Tränen in die Augen treiben. Europaweit leidet die Branche unter der schwachen Konjunktur, die Kunden zeigen sich extrem zurückhaltend. In Deutschland erwartet der Branchenverband gerade einmal 0,5 Prozent Wachstum für dieses Jahr: Lichtjahre entfernt vom zweistelligen Wachstum des Branchenprimus.
Erfolgreich wie einst C&A
Billig kommt an, besonders hierzulande. 220 Shops betreibt H&M in Deutschland und will weiter wachsen: Die Deutschen, von Aldi, Mediamarkt & Co zur Preisdisziplin erzogen, sind dankbare Kunden. Zu den insgesamt 850 H&M-Stores, die der Konzern in Deutschland, Frankreich, England und den USA unterhält, sollen in diesem Jahr noch einmal 110 hinzukommen.
Analysten halten es trotz des rasanten Wachstumstempos der vergangenen Jahre für möglich, dass H&M Deutschland auch in den kommenden Jahren mit weiteren Filialen beglückt. Sie verweisen auf die Erfolgsgeschichte von C&A in der Nachkriegszeit eine etablierte Marke könne durchaus weiter expandieren.
Auch Polen und Tschechien stehen auf der Landkarte des aggressiv wachsenden Discounters, der sich gern an den Entwürfen der Edelschneider orientert, sein rasant wechselndes Sortiment aber vor allem in Niedriglohnländern wie China, Türkei und Bangladesh herstellen lässt.
Dafür gibt es die Ware zu einem Bruchteil der Boutiquenpreise. Models wie Claudia Schiffer oder Anne Nicole Smith sollten für einen Hauch von Glamour sorgen. Die Plakatwerbung mit Schiffer und Smith in hauchdünnen Dessous hatten vor Jahren für Auffahrunfälle gesorgt und dem Konzern einen Marketingerfolg beschert. Seit sieben Geschäftsquartalen in Folge präsentiert H&M nun ein Gewinnwachstum von mindestens 37 Prozent: Hauptkonkurrent Inditex aus Spanien (Zara) ist inzwischen überholt.
Trost für Konkurrenz
Auch in den USA gibt es Chancen. Die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch trauen den Schweden zu, der Bekleidungskette GAP auf dem US-Markt weitere Marktanteile abzujagen.
Der Analysten-Darling spendet aber auch Hoffnung für die Konkurrenz. "H&M zeigt, dass die Kunden trotz des Irak-Krieges noch bereit sind, Geld auszugeben", sagte David Thwaites von BNP Paribas. "Das macht Mut."