Heros-Pleite Betrug nach dem Schneeballsystem
Hannover/Düsseldorf - Heros habe einen großen Teil seiner Konten für Kundengelder nicht als Treuhandkonten geführt, teilte Rechtsanwalt Manuel Sack in Hannover mit. Dadurch konnten die Geschäftsführer immer wieder Geld abzweigen. Sie überwiesen es auf andere Konten und nutzen es zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes und für andere Zwecke.
Über Jahre habe sich so eine "immer größer werdende Liquiditätslücke" aufgebaut, die in der vorigen Woche offenbar wurde. Vor allem Heros-Kunden, die zwischen dem 10. und 17. Februar Geld eingezahlt hätten, seien die Leidtragenden der jahrelangen Veruntreuungen. Mit ihrem Geld wurden frühere Verbindlichkeiten beglichen; sie waren die letzten Glieder in einer nun gerissenen Kette. Die Höhe der Verluste werde derzeit mit den Betroffenen geklärt, teilte Sack mit.
Der 57-jährige Firmenchef und drei seiner Mitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft. Die Vernehmung, mit der heute begonnen wurde, werde noch mehrere Tage dauern, sagte ein Sprecher der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft. Die verhafteten Mitarbeiter sollen rund 300 Millionen Euro Kundengelder unterschlagen haben. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die Unternehmensgruppe mit europaweit 5000 Arbeitsplätzen Insolvenz angemeldet. Der Anwalt des Heros-Gründers hatte ein Geständnis angekündigt.
Insider warnte vor Pleite
Dabei kam die Heros-Pleite nicht für alle plötzlich. Der Branchenkenner und Versicherungsmakler Bernd Schäfer warnte, für Insider verständlich, schon 2003 vor krummen Geschäften des Geldtransport- Unternehmens. Er veröffentlichte im Branchendienst "CD Sicherheits- Management" eine angeblich fiktive Geschichte über "einen heroischen Fuhrmann, der die Preiswelt neu erfand und deren Schwerkraftgesetze aus der Welt schaffen wollte".
In dem Märchen war von nervös gewordenen Kaufleuten "mit sensiblen, langen Bankenohren" die Rede, die begonnen hätten, ihre transportierten Gelder zu prüfen. "Sollten tatsächlich Gelder verschwunden sein?", schrieb der Versicherungsmann. Heros hatte in den neunziger Jahren einen ruinösen Wettbewerb in der Branche angezettelt.
Nach einer internen Untersuchung stieg die Drogeriekette Schlecker bereits vor einem Jahr aus den Verträgen mit dem Geldtransportunternehmen aus, "nachdem es um einen Tag verzögerte Zahlungseingänge gegeben hatte", wie ein Firmensprecher dem SPIEGEL bestätigte. Zwölf Monate später folgte auch die Discountkette Lidl. Doch nicht alle Unternehmen reagierten.
Laut "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ist der Handelskonzern Rewe der mit Abstand am härtesten getroffene Heros-Kunde. Ein dreistelliger Millionenbetrag entfalle auf den Kölner Konzern, der Heros den Geldtransport von und zu seinen Läden (MiniMal, Rewe, HL, Penny) anvertraut hatte, berichtet das Blatt. Allerdings habe Rewe dem Vernehmen nach erst 50 bis 60 Millionen Euro Schaden vor dem Amtsgericht Frankfurt geltend gemacht
Nach Auskunft von Insolvenzverwalter Sack sind inzwischen "alle notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Betriebe der Heros-Gruppe mit etwa 5000 Mitarbeitern fortzuführen". Bis einschließlich April erhielten die Angestellten pünktlich ihre Löhne. "Wir werden in den nächsten Wochen mit Hochdruck daran arbeiten, das durch die Vorfälle im hohen Maße erschütterte Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen", hieß es. Bis Ende April sollten zudem "neue Eigentümer mit ausgezeichneter Bonität" gefunden werden. Heros habe mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent "eine wichtige Funktion in der Bargeldversorgung der deutschen Wirtschaft".
ase/AFP/dpa