Hewlett-Packard Capellas macht sich von dannen
Palo Alto - Der 47-jährige Capellas amtiert nicht mehr als President des zweitgrößten Computerkonzerns der Welt, soviel steht fest. Capellas teilte am Montag mit, er scheide aus und wolle "eine andere Karrieremöglichkeiten wahrnehmen". Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina lobte Capellas für seine Leistungen bei der Fusion und der Integration von HP und Compaq. Capellas' alter Posten solle allerdings nicht wiederbesetzt werden. Capellas war früher Chef von des PC-Herstellers Compaq Computer, der nach langen Auseinandersetzungen mit HP-Aktionären Anfang des Jahres für 19 Milliarden Dollar an Hewlett-Packard verkauft wurde.
Der Rückzug des HP-Vizes nährt die ohnehin schon virulenten Spekulationen, dass Capellas neuer CEO des bankrotten Telekom-Unternehmens WorldCom werden und den Noch-Chef John Sidgmore beerben könnte. Das "Wall Street Journal" hatte am Montag berichtet, Capellas liege im Rennen um die Nachfolge vorn, eine Entscheidung könne diese Woche fallen.
Sidgmore hatte das Amt zwar erst im April nach dem Rauswurf des Skandal-Chefs Bernie Ebbers übernommen. Er gilt aber als wenig durchsetzungsstark und wird von Vorstandskollegen laut US-Medienberichten beschuldigt, vor dem Konkursantrag nicht alle Sanierungsmöglichkeiten genutzt zu haben.
WorldCom hat Bilanzfälschungen in Höhe von neun Milliarden Dollar zugegeben - der schlimmste Fall in der US-Geschichte - und steckt zurzeit in einem Konkursverfahren im Rahmen der "Chapter 11"-Regel. Damit ist eine Weiterführung der Geschäfte möglich. Ex-Chef Ebbers schuldet dem Unternehmen 415 Millionen Dollar. WorldCom soll laut "Journal" neben Capellas auch mit Dan Akerson, dem Chef der XO Communications, und Gary Forsee von der Telekom-Firma Bell South verhandelt haben.
Sollte Capellas WorldCom-Chef werden, könnte er große Teile des Unternehmens verkaufen, das derzeit noch der zweitgrößte Anbieter von Ferngesprächen auf dem US-Markt ist, seine Stellung als insgesamt zweitgrößter Telekom-Konzern aber verloren hat. Die meisten US-Telefonunternehmen sollen trotz eigener Finanzprobleme Interesse daran haben, Sparten von WorldCom oder gleich die gesamte Gesellschaft zu kaufen.
Zu den Interessenten gehören Medienberichten zufolge AT&T , SBC Communications und eventuell auch Verizon. Das WorldCom-Management wird aber wahrscheinlich versuchen, einen Verkauf erst nach Beendigung des Konkursverfahrens zu vollziehen, um dann einen höheren Preis verlangen zu können. So oder so wäre Capellas in einer ihm bekannten Situation: Er wäre Chef eines Unternehmens, das als Übernahmekandidat gilt.