Hightech-Konzern Frankreich schmiedet Satelliten-Riesen
Paris/München - Alcatel und Thales verkündeten den Zusammenschluss heute nach einer Thales-Verwaltungsratssitzung in Paris. Die Vereinbarung sieht vor, dass der Telekomausrüster Alcatel seinen Anteil an dem Rüstungskonzern Thales von 9,5 Prozent auf 21,6 Prozent aufstockt. Dafür bringt Alcatel seine Satellitensparte Alcatel Alenia Space mit 7200 Beschäftigten und 1,8 Milliarden Euro Umsatz bei Thales ein.
Das Geschäft wird nach Einschätzung von Thales den Umsatz des Unternehmens um mehr als zwei Milliarden Euro anheben. 2005 lagen die Erlöse bei 10,3 Milliarden Euro. Thales rechnet zudem mit Kosteneinsparungen von 50 Millionen Euro bis zum Jahr 2008. Arbeitsplätze sollen nicht abgebaut werden.
Mit der Alcatel-Thales-Liaison bleibt der Wunsch des französischen Präsidenten Jacques Chirac unerfüllt, den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ebenfalls zu beteiligen und so einen europäischen Champion im Satellitenbau zu schaffen. Chirac hatte bei seinem letzten Berlin-Besuch für einen Dreierbund inklusive EADS geworben und war auf Zustimmung gestoßen. Die Bundesregierung erklärte allerdings, die Entscheidung liege bei den Unternehmen.
Tür bleibt offen für EADS
Alcatel und Thales erwähnten heute einen möglichen späteren Einstieg von EADS mit keinem Wort. Wie aus Unternehmenskreisen in Paris zu erfahren war, hatte EADS sein Angebot für eine Thales-Beteiligung gegen das Einbringen seiner Satellitensparte zurückgezogen, will das Thema aber noch einmal überdenken. Thales-Chef Denis Ranque halte die Tür für EADS offen.
Thales und Alcatel hätten mit ihrem Zusammengehen nicht auf EADS warten können, hieß es weiter. Treibende Kraft des Geschäfts war demnach Alcatel-Chef Serge Tchuruk, der sein Unternehmen aufs Kerngeschäft Telekommunikation ausrichten will. Eine Einigung über das Satellitengeschäft gilt als wichtige Voraussetzung für eine Zustimmung der Pariser Regierung zu der jüngst verkündeten Fusion zwischen Alcatel und dem US-Telekomausrüster Lucent Technologies.
EADS bleibe auch ohne das Engagement bei der neuen Satelliten-Allianz der größte europäische Raumfahrtkonzern, betonte ein EADS-Sprecher in München. "Es gibt jetzt für uns keinen Grund zu hektischen Aktivitäten." Bei EADS-Aktien kam es nach der Ankündigung von Anteilsverkäufen durch die beiden Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère sowie wegen der vorerst gescheiterten Pläne für eine Kooperation im Satellitengeschäft dennoch zu deutlichen Kursverlusten.
suc/AP/dpa-AFX/Reuters