Hintergrund Die drei Säulen des deutschen Bankenmarkts
Frankfurt am Main - In keinem anderen europäischen Land gibt es eine solch strikte Trennung. Zwischen den drei Finanzsektoren Privatbanken, Genossenschaftsinstituten und Sparkassen gibt es so gut wie keine Überschneidungen. Der Grund ist einfach: Denn die Sparkassen gehören Ländern, Städten oder Kommunen. Per Gesetz sind sie vor Übernahmen durch Institute aus den anderen Sektoren geschützt, was vor allem die Privatbanken heftig kritisieren.
Befürworter sehen in dem Drei-Säulen-Modell dagegen eine bedeutende Stütze für das deutsche Finanzsystem - und einen großen Vorteil für die Bankkunden. "Warum sollte man etwas ändern, wenn es keinen Grund dafür gibt", sagt Wirtschaftsprofessor Reinhard Schmidt von der Universität Frankfurt. Die strikte Einhaltung der drei Säulen habe den deutschen Bankenmarkt über Jahrzehnte gestützt. Im Gegensatz zu den kapitalmarktorientierten Häusern könnten die nicht börsennotierten Banken in guten Zeiten leichter Reserven zurücklegen, um darauf in schlechten Zeiten zurückzugreifen. "Das ist einer der Gründe, weshalb es in Deutschland so wenige Bankenpleiten gegeben hat", sagt Schmidt.
Zudem befürchtet er, dass sich aus einer Privatisierung von öffentlich-rechtlichen Banken erhebliche Belastungen für die Kunden ergeben könnten. Es wäre dann sehr wahrscheinlich, dass private Sparkassen aus Renditegründen Filialen auf dem Land schließen. "Das würde den nötigen Wettbewerb extrem einschränken und die Produkte würden teurer", sagt der Experte.
Nach der Übernahme der Landesbank Berlin (LBB) ist die Seite der Sparkassen nun gestärkt. Auch Privatbanken hatten sich um das Institut beworben - und sind gescheitert. Wäre ein kapitalmarktorientiertes Geldhaus zum Zug gekommen, hätte dies die Bankenlandschaft weitaus stärker durcheinander gewirbelt, und zwar zu Lasten der öffentlich-rechtlichen Institute.
Im internationalen Vergleich abgehängt
Kritiker hingegen halten das Drei-Säulen-Modell für nicht mehr zeitgemäß. "Sparkassen haben einen massiven Wettbewerbsvorteil gegenüber privaten Banken, denn sie stehen nicht unter Renditedruck und müssen keinen Profit bringen", moniert der Präsident der Frankfurt School of Finance & Management, Udo Steffens. "Das ist eine Waffenungleichheit, die für das System ungesund ist." Börsennotierte Häuser wie die Deutsche Bank und die Commerzbank hinkten deshalb im internationalen Vergleich weit hinterher.
In gewisser Weise hat Steffens damit recht: Italienische, französische und spanische Institute haben den deutschen Banken bei der Marktkapitalisierung schon lange den Rang abgelaufen. Denn die Länder haben ihr Bankensystem vor einigen Jahren reformiert und unter anderem Sparkassen für privates Kapital geöffnet.
In Deutschland aber hätten wohl vor allem die Kunden etwas gegen eine Privatisierung der Sparkassen. Hier dominieren sie zusammen mit den Genossenschaftsbanken den Privatkundenmarkt mit einem Anteil von rund 80 Prozent. Dieser bringt zwar im Gegensatz zum Investmentbanking weniger Erträge. Als konstante Ertragsquelle ist er bei Banken aber heiß begehrt.
wal/Reuters