Hintergrund Macht durch Größe
"Dies ist für die Verbraucher ein historischer Augenblick." Steve Case, der neue Chef des Mega-Konzerns redet nur noch in Superlativen. AOL Time Warner soll zur respektiertesten und angesehensten Gesellschaft der Welt werden. Ob Medien, Unterhaltung, Kommunikation oder Internet - überall beansprucht Case die Führungsrolle. Time-Warner-Chef Jerry Levin, äußert sich etwas vorsichtiger und redet vom großen Nutzen der Fusion für die Verbraucher. Er tut gut daran, denn viele Verbrauchergruppen und Konkurrenten sehen das anders und befürchten eine Monopolisierung. Sogar der Software-Riese Microsoft bekam angesichts der Größe des neuen Konzerns kalte Füße und protestierte bei der Wettbewerbsbehörde FTC.
Gemeinsam mit anderen Konkurrenten erreichte Microsoft starke Auflagen für die Fusionskandidaten. AOL Time Warner muss vor allem sein Kabelfernsehnetz anderen Internet-Serviceanbietern für den Hochgeschwindigkeitszugang öffnen.
Die Kommunikationsbehörde FCC verlangte zusätzlich die Öffnung des populären AOL Instant Messaging Service für Konkurrenten. Dieser Dienst muss mit denen der Konkurrenten kompatibel gemacht werden, sobald Hochgeschwindigkeitsdienste wie Video-Konferenzen angeboten werden. AOL Time Warner darf Kunden auch nicht untersagen, konkurrierende Internet-Service-Anbieter auszuwählen, die über das Kabelfernsehsystem des Unternehmens erhältlich sind. Die Gesellschaft muss schließlich die FCC informieren, falls sie ihre Beteiligung an der Hughes Electronics erhöht. Diese kontrolliert DirecTV, den größten Anbieter von Satelliten-TV- und -Internet-Diensten der USA.
Die riesige Macht des neuen Konzerns wird schon in den Zahlen deutlich: AOL Time Warner bringt es nach eigenen Berechnungen auf einen Umsatz von 40 Milliarden Dollar. AOL hat mehr als 26 Millionen zahlende Online-Kunden. An das Kabelfernsehen von Time Warner sind derzeit 12,6 Millionen Haushalte angeschlossen, 20 Millionen Haushalte wären erreichbar. Dazu kommt der gigantische Zugriff auf Inhalte. Time Warner verfügt über die Warner Bros.-Film- und Fernsehstudios, Kabelfernsehnetze und -kanäle wie CNN und HBO, Magazine wie "Time", "People" und "Fortune". Wer dann immer noch nicht genug hat, kann in einen der Vergnügungsparks gehen und Bugs Bunny die Hand schütteln.