Hinterlegung echter Werte: Wie sich Euro-Bonds entgiften lassen - DER SPIEGEL
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Hinterlegung echter Werte Wie sich Euro-Bonds entgiften lassen

Euro-Bonds sind problematisch, denn sie belohnen spendierfreudige Staaten und bestrafen sparsame. Deshalb brauchen die gemeinsamen Anleihen aller Länder der Währungsunion ein Gegengift: Wer Schulden macht, sollte dafür Sicherheiten wie Gold hinterlegen müssen.
Von Ulrich Blum
EZB in Frankfurt: Der beste Weg wäre, neue Schulden künftig real zu besichern
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Foto: MICHAEL PROBST/ AP
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"Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden" - dieser Satz in "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt gilt auch für Ökonomen. Das zeigt die Debatte um die sogenannten Euro-Bonds. Mit den gemeinsamen Staatsanleihen aller Länder der Währungsunion würden die bisher verborgenen Transfers innerhalb der Geldgemeinschaft transparent - aber auch bisher geltende Prinzipien pervertiert.

Die politischen Entscheidungsträger sollten sich überlegen, ob die Deutschen bereit sind, die Nebenwirkungen von Euro-Bonds zu ertragen: ein langfristig erhöhtes Zinsniveau auf deutsche Staatsschulden, das durch Ausgabenkürzungen oder Steueranhebungen finanziert werden muss.

Was aber sollten wir tun, wenn die Wahl zwischen besseren und schlechteren Alternativen gar nicht mehr besteht, wenn das deutsche Parlament nur noch Gipfelbeschlüsse abnickt, das Europäische Parlament keinen eigenen Gestaltungsspielraum besitzt, eine legitimierte europäische Regierung nicht existiert?

Hier hilft der Blick auf die aktuelle Debatte über die sogenannte Realabsicherung von Krediten. Ausgelöst wurde sie jüngst von der finnischen Regierung, die eine Gegenleistung in bar für ihre Beteiligung am Griechenland-Hilfspaket fordert. Und auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen will künftige Hilfen für klamme Euro-Staaten am liebsten nur noch gegen reale, also echte, Sicherheiten gewähren - am liebsten in Form von Gold. Denkbar ist auch, dass Staaten einen Teil ihres Besitzes verpfänden. Im Prinzip gilt: Alles, was so werthaltig ist, dass es als ausreichende Sicherheit gelten kann, lässt sich verwenden.

Etwas Übles durch ein Gegengift neutralisieren

Die ökonomische Theorie lehrt, dass man etwas Übles durch ein Gegengift in seiner Wirkung oft eindämmen, manchmal sogar neutralisieren kann. Um das Schlimmste zu verhindern, muss man dann das System Euro-Bonds von seinen bisher falschen Anreizen befreien - und genau dafür eignet sich das Konzept der Realabsicherung.

Im bisherigen Euro-System wird das solide Land bestraft, das unsolide aber belohnt - und keiner weiß, ob Letzteres sich bessert. In einer Währungsunion fehlt der klassische Puffer zur Anpassung einer unzureichenden wirtschaftlichen Leistung: die Abwertung der eigenen Währung. Deshalb haben Schuldenprobleme ähnliche Auswirkungen wie bei Unternehmen. Entweder man senkt die Kosten - für Länder bedeutet das sinkende Preise für Arbeit und Immobilien - oder man steigert den Umsatz und die Profitabilität. Bei Staaten läuft dies auf eine Wachstumsstrategie hinaus, die es erlaubt, die Schuldenquote zu verringern.

Beide Elemente der Sanierungsstrategie verbinden sich aber nicht perfekt, das eine erfordert Abstriche beim anderen. Die seit mehr als einem Jahr andauernde griechische Tragödie ist der perfekte Beleg für dieses Dilemma. Der beste Weg wäre es, die Staatsschulden so sicher zu machen, dass die Zinsen sinken und Mittel für Wachstum freiwerden. Würden die Länder mit überhöhter Verschuldung neue Schulden künftig real besichern, sänke die Unsicherheit und gleichzeitig stiegen die Handlungsmöglichkeiten.

Eine solche Besicherung wäre auch gerecht. Es ist kaum akzeptabel, dass in hochverschuldeten Ländern private und öffentliche Vermögen aufgebaut werden, auf die man im Schadensfall keinen Zugriff hat. Zu den ewigen Fragen der südamerikanischen Schuldenkrisen zählte immer die nach der Beteiligung des ins Ausland transferierten Fluchtkapitals.

Euro-Bonds mit realer Absicherung würden die Anreize, über die eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse auf Kosten anderer zu leben, drastisch reduzieren. Sie würden zugleich die Schulden sicherer machen - und damit Zinslasten senken. Beides ist wichtig in einer Welt, in der der Ordnungsrahmen weitgehend abhanden gekommen ist.