Hiobsbotschaft Opel droht mit Werksschließung
London/Genf/Hamburg - Opel-Chef Hans Demant erklärte, General Motors habe im vergangenen Jahr mit 12.000 Stellen nicht genügend Personal abgebaut. Der "Financial Times" sagte Demant, wahrscheinlich sei der Einschnitt mit der Streichung von einem Fünftel aller Arbeitsplätze des Konzerns in Europa aus Angst vor Streiks nicht tief genug gegangen.
Demant deutete zugleich die Schließung eines Opel-Werkes an. Zum Modellwechsel des Astra seien möglicherweise nur drei der bisher vier Produktionsstätten erforderlich, so dass ein Werk geschlossen werden könnte. Gegenwärtig läuft der Astra in Bochum, im britischen Ellesmere Port, im belgischen Antwerpen und im polnischen Gliwice vom Band. GM-Europachef Carl-Peter Forster sagte der Zeitung, eine Entscheidung über die benötigten Werke falle erst später im laufenden Jahr und hänge von einem internen Wettbewerb ab.
Arbeitnehmervertreter reagierten bestürzt. Erst vor zwei Wochen hatte der Opel-Betriebsrat von Management-Plänen zur Streichung einer kompletten Astra-Schicht berichtet und vor dem Verlust von 1000 Arbeitsplätzen gewarnt. "Demants Aussagen bestätigen leider unsere Befürchtungen. Wir brauchen den neuen Astra, sonst gehen hier die Lichter aus", sagte Rainer Einenkel, Arbeitnehmervertreter im Bochumer Werk, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
Einenkel sieht sogar fünf Standorte in Europa bedroht. Demnach braucht auch das Saab-Werk im schwedischen Trollhättan die Astra-Nachfolgeproduktion, um die Auslastung zu erhöhen und das eigene Überleben zu sichern. Der Betriebsrat fordert von GM mehr Aufträge, um die Existenz aller Fabriken zu sichern. So soll der US-Konzern verstärkt Autos der Marke Chevrolet in Europa bauen. "Vor allem sollte GM keine neuen Werke kaufen oder bauen", warnte Einenkel.
Opels neue Sportwagen
Dabei hatte sich Demant auf dem Automobilsalon in Genf erst gestern zufrieden mit den europäischen Aktivitäten gezeigt. Der Februar-Absatz habe sich ordentlich entwickelt, sagte der Manager. Wichtiger als der Blick auf die Marktanteile sei es aber, Qualität und Akzeptanz der Marke ständig zu erhöhen. Mit der Einführung von Chevrolet als GM-Einstiegsmarke in Europa habe sich Opel beim Kunden höher positionieren können. Demant kündigte an, dass die beiden Marken künftig noch enger kooperieren werden.
Opel präsentierte in Genf als Weltpremiere einen neuen zweisitzigen Sportwagen, der den traditionsreichen Namen GT wieder aufleben lässt. Der offene Roadster, dessen Name an das Erfolgsmodell aus den siebziger Jahren erinnert, verfügt über einen Heckantrieb und einen 260 PS starken Turbomotor, der auf Tempo 240 beschleunigt. Der neue Sportwagen, der eng mit amerikanischen General-Motors-Modellen von Pontiac und Saturn verwandt ist, löst den Speedster ab und kommt im Frühjahr 2007 auf den Markt. Er wird nach Opel-Angaben unter 30.000 Euro kosten.
Große Hoffnung setzen die Rüsselsheimer zudem in den Geländewagen Antara, der in der zweiten Jahreshälfte zu den Händlern kommt. Damit werde eine Lücke im Produktportfolio geschlossen, sagte Demant. Ein konkretes Absatzziel für den Antara nannte er nicht. Der Frontera-Nachfolger solle ein "deutliches Volumen" erreichen.
suc/ddp/Reuters/dpa