Bruttoinlandsprodukt Hitze kostet Europa 113 Milliarden Euro
Hitze und Trockenheit belasten den Ackerbau
Foto: Frank Hoermann / SVEN SIMON / picture allianceDie Hitzewelle dieses Sommers hat die europäische Wirtschaftsleistung für das laufende Jahr nach Schätzung der Allianz um 113 Milliarden Euro reduziert. Deutschland liegt dabei mit geschätzten Einbußen von 25 Milliarden auf Platz zwei hinter Italien mit 28 Milliarden Euro, wie der Münchner Dax-Konzern mitteilte. An dritter Stelle steht Frankreich mit einer geschätzten Minderung des Bruttoinlandsprodukts um 20 Milliarden Euro.
Als wirtschaftliche Einbußen zählen dabei
Produktionsausfälle und geringere Wertschöpfung, bedingt durch geringere Arbeitsproduktivität
sowie längere Pausen und Fehlzeiten.
Die europaweiten Einbußen dürften sich demnach auf ein knappes halbes Prozent der für dieses Jahr erwarteten Wirtschaftsleistung summieren.
Beteiligt an dem erstmals berechneten »Climate Risk Tracker« waren die Volkswirte und Fachleute des international tätigen Kreditversicherers Allianz Trade in Hamburg und der deutschen Sachversicherung. Grundlage sind auf der einen Seite Wetter- und Schadendaten, auf der anderen die Modellierung der erwarteten ökonomischen Auswirkungen.
Neben der hitzebedingten Minderung der Wirtschaftsleistung stehen die tatsächlichen Schäden, die durch Unwetter, Überschwemmungen und andere Naturereignisse verursacht werden: Für Deutschland in den vergangenen fünf Jahren bezifferte die Allianz diese auf 50 Milliarden Euro.
Die jährlichen Schäden waren demnach im Schnitt doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum der Jahre 2000 bis 2019. Weltweit fiel die Bilanz mit einem Plus von 54 Prozent laut Allianz deutlich geringer aus. »Deutschland ist von klimabedingten Schäden besonders stark betroffen«, sagte Frank Sommerfeld, Chef der Sachversicherung.
Eine maßgebliche Ursache sei, dass das in nördlichen Breiten gelegene Europa sich stärker erwärmt habe als andere Kontinente: An der Spitze der betroffenen Länder steht demnach Norwegen. In dem skandinavischen Land war die Durchschnittstemperatur 2025 den Angaben zufolge um gut 3,7 Grad höher als im Schnitt der Jahre 1950 bis 1970. Deutschland und Frankreich lagen mit einem Plus von gut 2 Grad im oberen Mittelfeld.
Bei der Höhe der Naturkatastrophenschäden spielen jedoch die Naturgewalten als solche keineswegs die alleinige Rolle. In dicht besiedelten Ländern mit hoher Wirtschaftskraft sind auch die Schäden höher als in dünn besiedelten Regionen, in denen sich weniger Fabriken, Wohnhäuser, Autos und andere menschengemachte Werte befinden.
Auch »El Niño« beeinflusst das BIP
Auch für das kommende Jahr sind die Fachleute des größten europäischen Versicherers skeptisch. Grund ist das Naturphänomen »El Niño«. Die alle paar Jahre wiederkehrende Erwärmung der Wassertemperaturen im Ostpazifik kann das Wetter an Land weltweit beeinflussen.
So erwartet die Uno-Weltorganisation für Meteorologie überdurchschnittliche Wärme in weiten Teilen Südamerikas, im südlichen Afrika und in Australien. Auf dem indischen Subkontinent und im südlichen Mittelamerika dürfte demnach weniger Regen fallen als üblich.
Wird 2027 »El Niño«-bedingt erneut ein sehr warmes Jahr, könnte das die Wirtschaftsleistung in den 144 untersuchten Ländern rund um den Globus der Studie zufolge um 392 Milliarden Euro mindern. Am stärksten getroffen wird demnach voraussichtlich China.
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