Höchststand Ölpreis auf Rekordniveau
Wien/Hamburg - Lange hat er allerdings nicht gehalten, der Rekordschlussstand: Kostete das Barrel Öl gestern Abend 78,21 Dollar, sank der Preis heute wieder. Im elektronischen Handel an der New Yorker Rohstoffbörse kostete ein Barrel (159 Liter) 77,75 Dollar, etwa 46 Cent weniger als gestern. Der bisherige Rekord-Schluss war am 14. Juli vergangenen Jahres mit 77,03 Dollar erreicht worden.
Nordsee-Öl der für Europa wichtigen Sorte Brent verlor in London 48 Cent auf 76,57 Dollar, liegt aber damit auf ähnlich hohem Niveau wie US-Öl. Anfang 2002 hatte Brent nach Angaben des Hamburger Energie-Informationsdienstes (EID) noch bei etwa 20 Dollar gelegen. Damit hat sich der Preis für Nordsee-Öl binnen fünf Jahren fast vervierfacht.
Zu dem aktuellen Preisauftrieb bei US-Öl trug die Erwartung der Börse bei, dass sich die Lagerbestände in den USA in nächster Zeit deutlich verringern werden. Zu den maßgeblichen Akteuren an den Handelsplätzen gehörten Hedge-Fonds und andere spekulative Händler.
Allein in den vergangenen zwei Monaten sind die Rohölpreise damit um mehr als 20 Prozent gestiegen. Ursachen waren unter anderem Ausfälle in Raffinerien, Produktionskürzungen in Nigeria und in der Nordsee sowie Prognosen, wonach die globale Nachfrage das verfügbare Angebot bis Ende des Jahres übertreffen soll. "Neben den Fundamentaldaten spielen eben auch Spekulationen derzeit eine wichtige Rolle an den Märkten", sagte der EID-Experte Rainer Wiek in Hamburg. Es gebe vor allem in den USA Druck von der Nachfrageseite.
Zudem gibt es Befürchtungen an den internationalen Handelsplätzen, dass eine kräftige Hurrikan-Saison bevorstehen soll und die Förderung und Verarbeitung von Öl im verbrauchstärksten Land, den USA, beeinträchtigen könnte. Heute war der Ölpreis dann zunächst wieder gefallen, weil Händler die Gewinne vom Vortag einstrichen.
Das teure Öl wirkt sich schon seit Wochen auch auf die Spritpreise in Deutschland aus, wenngleich die Höchststände noch etwas entfernt sind. Für einen Liter Superbenzin müssen Autofahrer nach Angaben des Mineralölkonzerns Aral vom Mittwoch im Schnitt 1,35 Euro zahlen. Für den Liter Diesel werden etwa 1,16 Euro fällig. Der starke Euro schütze derzeit die Autofahrer in Deutschland vor noch höheren Preisen, sagte ein Aral-Sprecher.
sam/AP