Höhere Mehrwertsteuer Verbrauchern bleibt Preisschock erspart
Hamburg - Die Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresanfang hat bislang weniger auf die Preise durchgeschlagen als befürchtet. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, erhöhte sich die Teuerungsrate im Januar im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 0,4 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. In Baden-Württemberg stieg sie um 0,3 auf 1,7 Prozent, in Hessen allerdings deutlicher um 0,7 Prozentpunkte auf 2 Prozent, wie die Statistischen Landesämter heute mitteilten. Im Vergleich zum Dezember sanken die Raten sogar teilweise.
Der hohe Wettbewerbsdruck habe offenbar dazu geführt, dass im Januar lediglich ein Teil der Umsatzsteuererhöhung weitergegeben und zum Teil sogar vorläufig auf eine Weitergabe an die Endverbraucher völlig verzichtet worden sei, erklärte das Hessische Statistische Landesamt. Hätte der Einzelhandel die Mehrwertsteuererhöhung komplett weitergeben, hätte allein dieser Effekt nach Angaben der Statistiker zu einem Anstieg der Inflationsrate um knapp 1,4 Prozent geführt. Denn rund die Hälfte der bei der Preisermittlung berücksichtigten Waren unterliegt dem höheren Mehrwertsteuersatz.
Insgesamt schafften es nur sechs Statistische Landesämter, die Teuerungsdaten heute zu veröffentlichen: Die Behörden in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen gaben die Zahlen bekannt. Die anderen Landesämter seien noch dabei zu rechnen, hieß es auf Nachfrage beim Statistischen Bundesamt.
Die Verbraucher profitierten im Januar auch vom Rückgang der Mineralölpreise, der die höhere Mehrwertsteuer in diesem Sektor mehr als wettmachte. In anderen Branchen beobachteten die hessischen Statistiker große Unterschiede im Umgang mit der Steuererhöhung. So habe der starke Wettbewerb im Möbel- und Einrichtungshandel sogar zu einem Preisverfall geführt. Auch im Bereich Unterhaltungselektronik gebe es keine Anhaltspunkte für eine Weitergabe der höheren Umsatzsteuer an die Verbraucher.
Ganz anders sieht es beim Kauf von Neuwagen, bei Autoreparaturen, Haushaltsgeräten und Telekommunikationsdienstleistungen aus, die deutlich teurer wurden. Bei der Preisentwicklung in diesen Bereichen habe wohl die höhere Umsatzsteuer eine gewichtige Rolle gespielt, urteilten die Statistiker.
Bei Bekleidung und Schuhen vermutet das Hessische Landesamt, dass die Mehrwertsteuererhöhung bereits im vergangenen Jahr vorweggenommen wurde. Denn die Jahresteuerungsrate sei in diesem Bereich mit drei Prozent auffällig hoch ausgefallen, was vor allem auf deutliche Preissteigerungen im September zurückzuführen sei.
Doch auch in Bereichen, die überhaupt nicht von der Mehrwertsteuererhöhung betroffen waren, gab es deutliche Preissteigerungen: Das galt etwa für Gemüse. Hier stiegen die Preise vor allem wegen schlechter Ernteerträge. Tomaten, Paprika und Salatgurken stiegen innerhalb eines Monats um 25 Prozent im Preis.
kaz/AP/dpa