WALL STREET Hoffen auf Greenspan
Die Unsicherheit über den Ausgang der Präsidentschaftswahl drückt die Stimmung an der US-Börse. Wie aber geht es weiter, wenn klar ist, ob der Republikaner George W. Bush oder der Demokrat Al Gore vorn liegt? Kurzfristig würde sich eine Regierung Bush positiv auswirken, vermutet Stephan Lipfert, Analyst der Vereins- und Westbank. Brächte der Republikaner seine Steuersenkungen durch, wanderte noch mehr Geld in die USA, meint er: »Dann geht der Euro in Richtung Süden.« Eine Regierung Gore könnte erst mal die Börsenentwicklung dämpfen, weil von ihr Regulierungen etwa im Pharmasektor erwartet würden: »Gore ist kein Mann für eine Jahresend-Rallye«, so Lipfert. Langfristig aber favorisiere Wall Street den Demokraten, weil er verlässlicher wirke. Zudem haben Börsianer mit Bill Clinton gute Erfahrungen gemacht. Da stieg der Aktienindex Dow Jones im Schnitt um rund 16 Prozent pro Jahr. Allerdings wäre der Börsenboom der neunziger Jahre ohne die liberale Politik Ronald Reagans kaum möglich gewesen. Wer auch immer Präsident wird, für wichtiger halten Börsenkenner die Rolle des Zentralbankchefs. »Nach 100 Tagen wird keinen mehr interessieren, wer Präsident ist«, glaubt Lipfert, »alle werden nur hoffen, dass Alan Greenspan weitermacht.«