Hohe Preise: Kauflust der Deutschen lässt nach - DER SPIEGEL
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Hohe Preise Kauflust der Deutschen lässt nach

Der Einzelhandel ist das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft: Der Umsatz der Branche fiel im Februar deutlich schwächer aus als erwartet. Besonders schlecht schnitt der Lebensmittelhandel ab.
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Wiesbaden - Taschen, Textilien und Lederwaren kaufen die Deutschen am liebsten ein: Dem Statistischen Bundesamt zufolge legte der Einzelhandel in diesem Bereich im Februar 2008 um 7,8 Prozent zu. Ansonsten ist die Stimmung jedoch äußerst trüb: Nach einem Plus im Januar verbuchte der Einzelhandel preisbereinigt einen Umsatzrückgang um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat - obwohl aufgrund des Schaltjahres ein Verkaufstag mehr zur Verfügung stand.

Ernüchternd sind vor allem die Zahlen der Lebensmittelbranche: Bei Getränken, Lebensmitteln und Tabakwaren wurde real 4,1 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahresmonat. Dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) zufolge ist diese Entwicklung zwar "keine Enttäuschung, aber eine Ernüchterung". Der Handel mit Lebensmitteln trägt laut Verband ein Drittel zum Gesamtumsatz der Branche bei.

Der Februar ist zwar generell der umsatzschwächste Monat des Jahres. Doch die Kauflust der Deutschen wird seit einigen Monaten trotz der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt durch die hohe Inflationsrate gedämpft.

"Wir hatten uns mehr erwartet", sagte der HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. In der Kaufzurückhaltung spiegelten sich die steigenden Preise für Lebensmittel-Rohstoffe wider. Kunden hätten offenbar verstärkt preiswertere Waren bei Discountern eingekauft, so dass vor allem die Fachgeschäfte Umsatz einbüßten. Diese Entwicklung habe die Zahlen für den gesamten Einzelhandel nach unten gezogen. "Wo die Preise stabil sind, dort konnte der Einzelhandel deutlich zulegen", sagte Pellengahr.

Für die kommenden Monate erwarte der HDE positive Effekte durch die teils hohen Tarifabschlüsse. "Die Entwicklung der Gehälter wirkt sich positiv aus", sagte Pellengahr. Gleichzeitig hätten die weiterhin hohen Energiepreise jedoch einen negativen Einfluss. Trotzdem "hoffen wir nun auf den Frühlingsstart".

Einzelhandelsumsatz Februar 2008

Einzelhandel Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent
Insgesamt -0,3
Lebensmittel, Getränke, Tabakwaren -4,1
Facheinzelhandel (z.B.Getränke, Fisch, Fleisch) -5,9
Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren 7,4
Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte, Baubedarf 2,8
Sonstiger Facheinzelhandel (z.B. Bücher, Schmuck) 4,7
Kosmetische, pharmazeutische und medizinische Produkte 4,5

Für das gesamte Jahr 2008 erwartet der HDE ein Umsatzplus von zwei Prozent. Real könnte es maximal einen Anstieg von 0,5 Prozent geben. "Unterm Strich liegen wir im Bereich unserer Erwartungen", sagte Pellengahr. Ein verlässlicher Trend lasse sich aber erst nach vier Monaten erkennen.

Das vergangene Jahr hatte der Einzelhandel mit einem Minus von 1,1 Prozent abgeschlossen.

sil/ddp/dpa/Reuters