Hoher Ölpreis Benzin wird teurer
München/London - Der Liter Diesel kostete heute im Schnitt 1,20 Euro und lag damit nur knapp unter dem bisherige Jahreshoch von 1,21 Euro im September, wie ADAC-Verkehrsexperte Andreas Hölzel in München sagte. "Weitere Erhöhungen am Wochenende sind nicht auszuschließen", fügte er hinzu. Der Liter Superbenzin kostete knapp 1,36 Euro und lag damit noch acht Cent unter dem Höchststand von 1,44 Euro im Oktober 2005. Der ADAC hatte in der jüngsten Zeit bei Benzin generell nur moderate Preiserhöhungen beobachtet, bei Diesel waren diese dagegen erheblicher.
Grund für die hohen Benzinpreise ist der US-Rohölpreis, der heute erstmals über 90 US-Dollar gestiegen ist. Ein Ende des Anstiegs ist nicht abzusehen, Experten schließen kurzfristig Ölpreise von über 100 US-Dollar nicht mehr aus. Die hohe Schwankungsanfälligkeit dürfte auch in der kommenden Woche erhalten bleiben: Vor allem die Spannungen um einen möglichen Einmarsch der Türkei im ölreichen Nordirak haben den Rohstoff an der New Yorker Börse nach oben getrieben.
Nach Einschätzung des ADAC ist die langfristige Entwicklung des Ölpreises allerdings offen. In den vergangenen Jahren habe es bei den Ölpreisen zwar einen klaren Trend nach oben gegeben, die Entwicklung sei aber nie eine Einbahnstraße gewesen.
Anders sehen das Analysten: Ein US-Ölpreis von 100 Dollar ist nach Einschätzung der Commerzbank "in greifbare Nähe" gerückt. Aufgrund der immensen Dynamik des Ölpreisanstiegs in den vergangenen Wochen und der aktuellen Nähe zur "magischen 100 US-Dollar"-Grenze sei ein weiterer Anstieg nicht auszuschließen, schreibt Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank in einer Studie. Ein weiterer Anstieg dürfte jedoch durchaus zu einem Nachfrageschock und langfristig negativen Folgen für den Ölpreis führen, schätzt Weinberg. In diesem Fall sollten sich neue Technologien und Verbrauchsmuster durchsetzen, was die Ölpreise merklich belasten würde.
Die anhaltenden Spannungen zwischen der Türkei und kurdischen Rebellen im Nordirak stützten den Ölpreis, sagt auch Analyst Paul Harris von der Bank of Ireland in London. Angesichts der weltpolitischen Risiken wolle kein Händler auf fallende Kurse setzen. Daher bleibe das Aufwärtspotenzial auch künftig erhalten. Zudem stütze der extrem schwache US-Dollar den Ölpreis, sagten Händler. Der fallende Dollar mache in US-Währung gehandelte Ölprodukte preiswerter. Dies führe zu einer steigenden Nachfrage und höheren Ölpreisen. Auch der Euro hatte heute mit 1,4318 Dollar einen neuen Rekordstand erreicht.
sam/AFP/dpa-AFX