Holzmann Angst vor der Zersplitterung
Frankfurt am Main - Im Laufe der kommenden Woche brauche er Geld in der Holzmann-Kasse, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Ottmar Hermann . Sein oberstes Ziel sei, so viel wie möglich von Holzmann zu retten. "Ich denke, wir sind schon ein gutes Stück vorangekommen", gab er sich optimistisch. Der erfahrene Rechtsanwalt war am Donnerstag vom Amtsgericht Frankfurt zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden.
Ein Fortführung des Frankfurter Unternehmens sei ohne die Hilfe der Banken aber nicht möglich, sagte Hermann. "Dann haben wir das Risiko der unkoordinierten Zerschlagung." Zudem drohe für diesen Fall auch Holzmann-Töchtern die Zahlungsunfähigkeit. Der vorläufige Insolvenzverwalter ist nur für die Philipp Holzmann AG zuständig, da es nach deutschem Recht keine Konzerninsolvenz gibt. Falls auch eine Tochtergesellschaft zahlungsunfähig wird, muss ein gesondertes Verfahren mit voraussichtlich einem anderen Insolvenzverwalter eingeleitet werden.
Derzeit sind nicht nur die Arbeitsplätze in der AG, sondern auch bei zahlreichen Subunternehmen gefährdet, berichtete Hermann. Deshalb komme es darauf an, so rasch wie möglich Klarheit über die Situation an den Baustellen herzustellen.
Die ersten Verhandlungen mit den Banken sind nach seiner Darstellung "fruchtbar verlaufen". Hermann äußerte sich zuversichtlich, dass die vorgefundenen leeren Kassen mit einem Massekredit der Banken rasch gefüllt werden können. An den bisherigen Gesprächen hätten auch Vertreter der Kreditinstitute beteiligt, die bis zuletzt den Rettungsplan für den Baukonzern blockiert hatten.
"Wir werden umgehend einen vorläufigen Gläubigerausschuss gründen", sagte der Verwalter. Der Baukonzern ist mit rund 1,5 Milliarden Euro bei den Banken verschuldet, die zudem mit insgesamt rund 60 Prozent an Holzmann beteiligt sind. Die rund zwanzig Gläubigerbanken hatten sich nicht auf ein von der Unternehmensberatung Roland Berger erarbeitetes und von der Deutschen Bank befürwortetes Sanierungskonzept einigen können. HypoVereinsbank, Dresdner Bank und Commerzbank hatten dieses als nicht zukunftsfähig abgelehnt.
Anwalt Rainer Bähr, Partner von Hermann, berichtete indes am Sonntag von einem ersten Erfolg. So habe in Leipzig bei der Hauptniederlassung zumindest vorläufig ein Großteil der rund 400 Stellen gesichert werden können. Das wichtigste Bauprojekt vor Ort, ein neues Fußball-Stadion für die Weltmeisterschaft 2006, werde nach Absprache mit der Stadt wie geplant fortgeführt.
Hermann rechnet nach eigener Aussage damit, dass ein Insolvenzverfahren mehrere Jahre dauern könnte. Eine Eröffnung des Verfahrens dürfte jedoch erst in zwei bis drei Monaten erfolgen. Wie viele Beschäftigte des einst größten deutschen Bauunternehmens von der Pleite betroffen sind, konnte Hermann nicht sagen. Der Konzern hat weltweit gut 23.000 Mitarbeiter, davon rund 11.000 im Inland.
Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind indes bis auf weiteres gesichert. Sie erhalten rückwirkend vom Tag der förmlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihre Einkünfte für drei Monate vom Arbeitsamt. Dies ist eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts, um die Chancen für eine Fortführung eines Pleite gegangenen Unternehmens zu erhöhen. Faktisch bedeutet dies, dass die Belegschaft für mindestens drei Monate mit gesichertem Einkommen rechnen kann.
Er habe die Holzmänner aufgefordert, auf den Baustellen weiter "Präsenz zu zeigen", sagte der Insolvenzverwalter weiter. Zu Spekulationen, dass Auftraggeber von Holzmann angesichts der prekären Lage beim Traditionskonzern bereits abgesprungen seien, äußerte er sich nicht. Er sagte nur: "Es gibt Probleme beim Auftragseingang, das ist klar."
Hermann bestätige dagegen, dass sich Interessenten für Teile von Holzmann schon gemeldet hätten. "Uns liegen konkret aber keine Angebote vor", schränkte er ein. Sollte aber ein gutes Angebot kommen, "können wir nicht bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens warten", fügte er hinzu. Verkaufe er nicht, würde er seinen Pflichten nicht gerecht, so Hermann. Als potenzielle Interessenten gelten die deutschen Konkurrenten Hochtief, Bilfinger und Berger und die Strabag. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller rechtfertigte derweil in einem Interview sein Veto zu den früheren Sanierungsplänen. Sein Institut habe den Plan abgelehnt, da Holzmann "garantiert keine Zukunft gehabt" habe, sagte er in einem am Samstag vorab verbreiteten Gespräch mit dem "Focus". "Ich glaube, eine geordnete Liquidation ist für den Konzern und die Branche besser."
Es sei auch fraglich, "ob es ein Unternehmen zwei Mal in nur zwei Jahren wert ist, mit dem Geld unserer Aktionäre gerettet zu werden". Nach Darstellung von Müller hat die Bundesregierung diesmal keinen Einfluss auf die Entwicklung bei Holzmann genommen.