Holzmann: Ex-Konzernchef soll Protokolle frisiert haben - DER SPIEGEL
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Holzmann Ex-Konzernchef soll Protokolle frisiert haben

Der Holzmann-Konzern wird an diesem Montag mit einer Milliardenspritze aus einer Kapitalerhöhung wieder festeren Boden unter den Füßen bekommen. Dem ehemaligen Konzernchef Heinrich Binder droht jedoch neues Ungemach wegen angeblicher Fälschung von Aufsichtsratsprotokollen.
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Frankfurt/Main/Hamburg - Die Kapitalerhöhung soll an diesem Montag 1,265 Milliarden Mark in die Kassen des angeschlagenen Frankfurter Baukonzerns spülen. "Das Geld wird am 14. Februar eingezahlt", erklärte eine Holzmann-Sprecherin am Samstag. Die 7,6 Millionen neuen Stückaktien werden für 85 Euro ausgegeben - weit über dem letzten Schlusskurs der Holzmann-Aktie von 31,80 Euro. Allerdings haben die Gläubigerbanken die Emission garantiert.

Binder wird nach einem Bericht des SPIEGEL von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, Aussagen von Wirtschaftsprüfern im Aufsichtsrat gefälscht zu haben. Zur Verwunderung der Prüfungsgesellschaft KPMG habe Binder nach der Sitzung am 5. Mai 1999 erklärt, die Ertragswende sei vollzogen.

Nach einem Protokollentwurf habe der KPMG-Prüfer Wolfgang Zielke am 5. Mai im Aufsichtsrat erklärt, man könne "noch nicht von einem vollzogenen Turnaround sprechen". Binder habe den Satz gestrichen und dem Wirtschaftsprüfer stattdessen in den Mund gelegt, der Turnaround - also die Ertragswende - sei "erfolgreich".

Aus der Aussage des Mannesmann-Chefs im Holzmann-Aufsichtsrat, Klaus Esser, die Reserven für die Altersversorgung seien "zu mager", habe Binder ein schwächeres "sehr mager" gemacht. Nun ermittele die Staatsanwaltschaft, ob Binder Aussagen der Prüfer gefälscht habe.

Gegen Binder und andere wird bereits wegen Betrugs, Untreue und Bilanzfälschung ermittelt. Die Aussage zur Ertragswende hatte den Kurs der Holzmann-Aktie kräftig nach oben getrieben, obwohl sich der Baukonzern der Pleite näherte. Im November war die Philipp Holzmann AG nur nach Intervention des Staates und Zusagen von Bundeshilfen von den Banken aus der Insolvenz gerettet worden. Dabei war der Aktienkurs zusammengebrochen. Wie der SPIEGEL weiter berichtet, könnte die Falschaussage daher zu Schadensersatzklagen von Anlegern "gegen den Baukonzern in Höhe von mehreren hundert Millionen Mark" führen.

Neben der Kapitalerhöhung hängt die Holzmann-Sanierung auch noch an der Zustimmung der EU zur öffentlichen Finanzhilfe für das Sanierungskonzept und am Sanierungs-Tarifvertrag. Die Banken hatten bereits 650 Millionen Mark schnelle Liquiditätshilfe geleistet und mit Rangrücktritt über ein Kreditvolumen von 1,3 Milliarden Mark geholfen. Baugewerbe und Bauindustrie lehnen den Sanierungs-Tarifvertrag ab, dem zufolge die Beschäftigten 18 Monate pro Woche fünf Überstunden leisten und die Mehrarbeit erst nach Jahren vergütet bekommen sollen.