Horrorszenarien: IWF warnt vor Wirtschaftschaos durch Vogelgrippe - DER SPIEGEL
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Horrorszenarien IWF warnt vor Wirtschaftschaos durch Vogelgrippe

Die Vogelgrippe wächst sich zum ernst zu nehmenden Wirtschaftsrisiko aus. Das Wachstum könnte weltweit einbrechen, sollte sich der Virus ausbreiten, warnt jetzt der IWF. In einer Studie erstellt die Organisation ein erschreckendes Szenario.
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Washington - Eine Ausweitung der Vogelgrippe zur Pandemie beim Menschen würde der weltweiten Konjunktur zumindest kurzfristig einen heftigen Schlag verpassen, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF). Auf Grund der Globalisierung würden die negativen Auswirkungen der Krankheit auf das Wachstum rasch zu spüren sein, teilte die Finanzorganisation in Washington mit.

Im Fall einer weltweiten Epidemie müssten sich Länder auf Transport- und Handelsstörungen, Einbrüche bei Strom- und Gasversorgung und Störungen im internationalen Zahlungsverkehr einstellen. Wenn reihenweise Mitarbeiter ausfielen und Zukunftsangst die Verbraucher packe, sei außerdem mit erheblichen Produktionseinbußen und sinkenden Verbraucherausgaben zu rechnen. Neben der Geflügelbranche seien bei einer Epidemie auch Tourismus, Transport, Einzelhandel und Versicherungen hart getroffen.

So würden die Staatskasse wahrscheinlich in erhebliche Finanznöte kommen, zumal auch ein Explodieren der Gesundheitskosten und der Sozialausgaben zu befürchten sei und ganze Industriezweige unterstützt werden müssten. "Die staatliche Finanzlage würde sich deutlich verschlechtern", schreibt der IWF. Auf den Finanzmärkten müsse mit einer Kapitalflucht aus aufstrebenden Märkten und hohem Liquiditätsbedarf gerechnet werden.

Entwickelte Länder sind gut vorbereitet

In finanziell stabilen und damit der Mehrheit der Staaten würde sich die Wirtschaft aber bald erholen, beruhigten die Ökonomen ihre Zuhörer. "In einer gut funktionierenden Volkswirtschaft gibt es keinen Grund zur Sorge vor langfristigen Konsequenzen", erklärte David Hoelscher, einer der Autoren des Berichts. Gerade Länder wie Kanada und Singapur, die bereits Erfahrungen mit dem tödlichen Sars-Virus gemacht hätten, seien mit Notfallplänen auf die Vogelgrippe gut vorbereitet, erklärte der IWF.

Gegen einen langfristigen Negativtrend spreche auch das hochentwickelte Gesundheitswesen in vielen Teilen der Welt. Dennoch könnten auch bei konservativer Schätzung bis zu 7,4 Millionen Menschen an der Vogelgrippe sterben, zitierte der Währungsfonds die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Vor der Frühjahrstagung im April will die Organisation deshalb noch eine detailliertere Analyse über mögliche Wachstumseinbrüche vorlegen. Die Zentralbanken rief der IWF außerdem auf, genügend Banknoten bereitzuhalten und die Auslieferung an Banken zu sichern. Die Kassen des IWF, aus denen die Organisation in Not geratene Länder unterstützt, seien zur Zeit gut gefüllt, hieß es außerdem vorsorglich.

Der IWF drängt außerdem Banken und andere Unternehmen, Notfallpläne zu erstellen. Wichtige Funktionen müssten mindestens zwei Mitarbeitern ausführen können, am besten an unterschiedlichen Orten. Firmenspitzen sollten frühzeitig gute Informationsquellen auftun.

Seit 2003 starben weltweit mehr als 90 Menschen an der Vogelgrippe, die meisten von ihnen in Asien. Experten befürchten, das das für die Krankheit verantwortliche H5N1-Virus zu einer gefährlicheren Form mutieren könnte, die von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte.

ase/AFP/dpa