HP/Compaq-Fusion Gründersohn geschlagen
San Jose - Der Oberste Gerichtshof im US-Staat Delaware urteilte, Walter Hewlett habe seine Vorwürfe nicht untermauern können. Der Sohn eines der HP-Gründer hatte behauptet, dass Management um Carly Fiorina habe die Zustimmung der Aktionärsversammlung im März mit unrechtmäßigen Mittel verschafft haben soll. Kern der Vorwürfe war die Behauptung, der HP habe die entscheidenden Stimmen der Deutsche Bank Asset Management regelrecht gekauft zu haben.
Nach der Entscheidung von Richter William Chandler erklärte Hewlett, dass er keine Berufung einlegen werde. "Ich hatte zum Nutzen des Erwerbs von Compaq eine andere Meinung als der HP-Vorstand", erklärte Hewlett. "Ich habe mich aber immer dafür eingesetzt, das Vermögen der HP-Aktionäre zu erhöhen. Deswegen werde ich nun alles tun, um die erfolgreiche Umsetzung des Erwerbs von Compaq durch HP zu unterstützen." Hewlett war in der vergangene Woche nach 15-jähriger Zugehörigkeit nicht mehr in den HP-Verwaltungsrat gewählt worden.
Meinungswechsel in letzter Minute
Die DeAM war zum Jahreswechsel elftgrößter Aktionär bei HP mit einem Kapitalanteil von 1,31 Prozent. Ursprünglich wollte das Institut dem Kläger zufolge mit dem größten Teil ihrer Aktienstimmen gegen die Fusion stimmen, schlug sich dann aber in letzter Minute mit einem Großteil der Stimmen in das Lager der HP-Chefin Carly Fiorina. Die Abstimmung der Aktionärsversammlung fiel mit 51,4 zu 48,6 Prozent denkbar knapp aus.
Die Compaq-Aktionäre dagegen hatten der Fusion mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Der unter der PC-Absatzkrise leidende Computerhersteller wird von HP für 18,6 Milliarden Dollar in Aktien übernommen. Es ist die weltweit bisher größte Fusion zweier Computer-Konzerne.
Und nun an die Arbeit . . .
Analysten betrachteten die Entscheidung des Gerichtshofes als wenig überraschend. Sie hatten die Chancen von Hewlett, HP Fehlverhalten nachzuweisen, als nur gering eingestuft, zumal die Deutsche Bank zu Gunsten von HP ausgesagt hatte. Charles Rutstein, Analyst bei Forrester Research, geht aber davon aus, dass die Zustimmung der Aktionäre der leichte Part war - und dass die wahre Arbeit nun beginne. Vor allem müssten HP und Compaq daran gehen, ihr Produktportfolio neu zu strukturieren den Integrationsprozess zügig beginnen. Die beiden Unternehmen müssten ihre Kunden und Aktionäre darüber informieren, welche Produktlinien weiter bestehen sollen und welche nicht, um die derzeit herrschende Unsicherheit aus dem Markt zu nehmen, meint auch Marty Shagrin, Analyst bei Victory Capital Management. HP und Compaq teilten derweil mit, dass ihre Integrationspläne nahezu vollständig ausgearbeitet seien. Die Vorbereitungen des inzwischen 1500 Mann starken Integrationsteams seien durch den Rechtsstreit nicht beeinträchtigt worden, hieß es. Michael Dell brüstet sich
Derweil zeigen Untersuchungen, dass die Kunden die technologische Kompetenz der Fusionspartner nach wie vor hinter der von Dell oder von Sun Microsystems sehen. Und vor allem Dell gibt an, von dem Streit um die Fusion profitiert zu haben. CEO Michael Dell sagte auf einer Konferenz von Merrill Lynch, sein Unternehmen Gewinne Marktanteile und er gehe davon aus, dass dieser Trend noch anhalten werde.
Nicht alle Analysten sind so skeptisch für die Zukunft des fusionierten Unternehmen. Eric Rothdeutsch von Robertson Stephens geht davon aus, dass die Streitereien die Integrationsprozess nicht beeinträchtigt haben. Er glaubt, dass sich das Management vor allem auf Kosteneinsparungen konzentrieren wird. Entlassungen dürften erst mitgeteilt werden, wenn die Fusion vollständig vollzogen sei.