Hugo Boss Permira vergrault Aufsichtsratschef
Metzingen - Es waren weder rote Zahlen noch verlockende Angebote anderer Unternehmen, die den personellen Aderlass beim Metzinger Modekonzern ausgelöst haben: Vielmehr soll der Kurs des neuen Hugo-Boss-Mehrheitsaktionärs Permira die Personalkrise bei dem schwäbischen Konzern ausgelöst haben.
Vorstandschef Bruno Sälzer gab als erster sein Amt ab, ihm folgte Produktionsvorstand Werner Lackas. Heute kündigte auch Aufsichtsratschef Giuseppe Vita seinen Abschied an. Er teilte mit, sein Amt zum 30. Juni niederzulegen.
Der Mehrheitsaktionär Permira hatte in der vergangenen Woche im Aufsichtsrat gegen den Widerstand von Vorstand und Arbeitnehmervertretern eine kräftige Erhöhung der Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr durchgesetzt: um 22 Prozent auf 1,45 Euro (Stammaktien) und 1,46 Euro (Vorzugsaktien). Die Sonderausschüttung in Höhe von 350 Millionen Euro zwingt Hugo Boss zu einer höheren Verschuldung.
Vita teilte mit, er habe seinen Rücktritt schon vor einiger Zeit geplant. Dennoch halten sich Gerückte, er habe den Kurs Permiras nicht länger mittragen wollen. Eigenen Angaben zufolge ist Vita von Permira gebeten worden, das Amt noch in der Phase des Übergangs zum neuen Großaktionär auszuüben. Ein Nachfolger steht nach Unternehmensangaben noch nicht fest.
Der in Italien geborene Manager war im Jahr 2000 noch unter der Ägide des früheren Mehrheitseigners, der norditalienischen Wollweber-Dynastie Marzotto, in den Aufsichtsrat von Hugo Boss gewählt worden und seitdem Chef des Gremiums. Seine Amtszeit sollte eigentlich erst 2010 enden.
Permira hält rund 90 Prozent der Stimmrechte am Metzinger Modekonzern. Der Finanzinvestor hatte zunächst die Boss-Mutter Valentino Fashion Group und dann Hugo Boss selbst übernommen. Permira kaufte zuletzt unter anderem auch den Stuttgarter Mobilfunk-Zwischenhändler Debitel.
sil/Reuters/dpa