Hundefreund Gerrmann Der Tier-Chauffeur
Hamburg - Manchmal muss Karl-Heinz Gerrmann sich mehr um das Herrchen kümmern als um das kranke Tier: Viele sind ganz aufgelöst vor Sorge, dann ist es seine Aufgabe, beim Tierarzt den Überblick zu behalten, sagt er. Genau zuzuhören, wenn der die Diagnose erklärt und die Dosierung der Medikamente. Ob man es glaubt oder nicht: Gerrmann wird oft gerufen, um Hunde- und Katzenbesitzer einfach nur zum Arzt zu begleiten.
Und der 47-Jährige ist dazu allzeit bereit: "Tier-Notruf 24 Stunden", heißt es auf seiner Internetseite - "das ist ernst gemeint." Seit Mai 2003 geht er mit seinem "Kleintiertaxi", einem umgebauten Ford Combo, in Kaiserslautern auf Tour.
Er fängt im Auftrag der Stadt wild gewordene Bullterrier ein, rettet für den Tierschutz Schildkröten, hilft älteren Damen, dem Schoßhund die Heilsalbe in die Augen zu tröpfeln. Er geht Gassi, versorgt Goldhamster, wenn die Besitzer auf Reisen sind und eilt nachts zur Hilfe, wenn ein Vierbeiner sich an einer Glasscherbe die Pfote aufgeschlitzt hat. Er ist der Mann für fast alle tierischen Angelegenheiten. Pro Anfahrt berechnet der Allround-Tierhelfer zehn Euro, einmal Gassigehen kostet das Gleiche.
"Ich hatte mir das einfacher vorgestellt"
Früher war Karl-Heinz Gerrmann einmal Gabelstaplerfahrer, dann hat er sechs Jahre als Altenpfleger gearbeitet. Als er arbeitslos wurde, kam ihm die Idee mit dem Tiertaxi und -Notdienst: Schließlich arbeitete er damals schon 20 Jahre ehrenamtlich im Tierheim.
Die Bilanz nach zwei Jahren? "Ich hatte mir das leichter vorgestellt", sagt der Pfälzer mit dem spitzbübischen Lächeln. "Im ersten Monat hatte ich einen Umsatz von 20 Euro." Die Leute schmunzelten über die originelle Idee - und führten ihre Hunde weiter selbst aus. Und dann seien die Behörden wach geworden, als er schon angefangen hatte. "Plötzlich sollte ich einen Taxischein haben und einen Personenbeförderungsschein." Insgesamt legte er für die fehlenden Genehmigungen noch einmal 2500 Euro drauf. Dabei hatte er schon die 5000 Euro Anfangsinvestition für das gebrauchte Auto, einige Fangnetze und ein Mindestsortiment an Maulkörben und Hundeleinen mühsam zusammengekratzt.
Inzwischen hat Gerrmann die erste Durststrecke überwunden. Immerhin 500 bis 600 Euro Gewinn macht er im Monat. Damit es nicht knapp wird, wenn im nächsten Jahr die Ich-AG-Förderung wegfällt, will Gerrmann jetzt noch für ein großes Tier-Beerdigungsunternehmen eine Filiale eröffnen. Einen Ausstellungsraum für Urnen und Särge hat er schon, und sogar einen Pfarrer, der bereit ist, den verblichenen Hunden und Katzen eine Messe zu lesen.
Oft ist Gerrmann von morgens um sechs bis abends um elf unterwegs. Aber wieder als Angestellter arbeiten? "Nie im Leben", sagt er spontan. "Hier sagt mir keiner, wo es langgeht." Ohne die Ich-AG hätte er den Sprung in die Selbständigkeit allerdings nicht gewagt. "Das wäre mir zu heikel gewesen. So wusste ich, egal was passiert, ich habe einen kleinen Rückhalt."