Hunger Welternährungsprogramm warnt vor massiv steigender Armut
Washington - Die weltweite Rezession trifft die armen Länder doppelt hart: Die reichen Staaten geben weniger Hilfsgelder, zugleich schnellen die Preise für knapp werdende Lebensmittel in die Höhe. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) schlägt deshalb Alarm. Die Staatengemeinschaft habe für 2009 lediglich 3,7 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern versprochen und damit weniger als die Hälfte des eigentlich benötigten Budgets, um den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen zu helfen, wie WFP-Direktorin Josette Sheeran am Mittwoch erläuterte.
Von den versprochenen Geldern seien bislang nur 1,8 Milliarden Dollar eingetroffen. Daher sei das Welternährungsprogramm bereits dazu gezwungen worden, seine Lebensmittelrationen in mehreren Ländern zu verringern, hieß es. Diese Entwicklung sei dabei nicht nur sehr bedrohlich für die betroffenen Regionen, sondern gefährde mittelfristig auch die Stabilität der reichen Länder, warnte Sheeran. "Es gibt nichts Grundsätzlicheres als Nahrung. Wenn Menschen sie nicht bekommen, dann gibt es drei Möglichkeiten: Sie rebellieren, sie migrieren oder sie sterben."
Derzeit hungern nach Uno-Angaben mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt, vor zwei Jahren waren es noch 860 Millionen. Das Welternährungsprogramm kann lediglich den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen helfen. Das sind etwa zehn Prozent der Betroffenen. Im vergangenen Jahr waren dies etwa 102 Millionen Menschen in 78 Staaten.
Obwohl die Weltmarktpreise für Weizen und andere Lebensmittel zuletzt gesunken sind, hat sich die Lage in vielen Entwicklungsländern eher noch verschärft. "Die Lebensmittelkrise ist noch nicht überwunden in den Entwicklungsländern. Tatsächlich ist die Lage in vielen Ländern noch alarmierender als vor einem Jahr", sagte Sheeran. Denn je knapper die Lebensmittel werden, desto eher steigen die Preise. Gleichzeitig sei die Hilfsbereitschaft der reichen Länder wegen der Banken- und Wirtschaftskrise deutlich zurückgegangen.
Als Beispiel nannte die Direktorin ein Hilfsprogramm in Bangladesch, wo von den einst 300.000 Kindern derzeit nur noch 70.000 UN-Lebensmittel erhalten. In Kenia seien die Rationen ebenfalls drastisch reduziert worden, so dass von den eigentlich zehn Millionen Bedürftigen nur noch ein Drittel Hilfsnahrung bekommt.
Sheeran appellierte an die reichen Länder der G20, trotz der eigenen Wirtschaftsprobleme mehr Geld für Entwicklungshilfe zu leisten. Die beim G-8-Gipfel in Rom beschlossenen Agrarhilfen für Bauern in Entwicklungsländer im Umfang von 20 Milliarden Dollar seien ein wichtiges Signal. Bis diese Hilfe zur Selbsthilfe aber tatsächlich greife, müsse kurzfristig noch mehr in Nahrungsmittelhilfe investiert werden, forderte die Direktorin.