Hungrige "Heuschrecken": Finanzinvestoren wollen Postaktien - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hungrige "Heuschrecken" Finanzinvestoren wollen Postaktien

Erst vor kurzem stieg der britische Finanzinvestor Blackstone bei der Telekom ein – jetzt liebäugeln ausländische Beteiligungsgesellschaften, die einst von SPD-Politiker Müntefering als "Heuschrecken" verunglimpft wurden, noch mit einem anderen deutschen Traditionskonzern: Der Post.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Gegnern der so genannten Heuschrecken hat Post-Chef Klaus Zumwinkel schon vor längerer Zeit eine klare Ansage gemacht: "Ich begrüße jeden großen Investor gleich welcher Art und sage: Gerade von großen Finanzinvestoren kann man eine Menge lernen", hatte er der "Wirtschaftswoche" gesagt.

Nun stehen die ersten Interessenten vor der Tür, die die Post-Anteile der Förderbank KfW gerne kaufen würden. Vor allem die britische Beteiligungsgesellschaft CVC, die bereits Minderheitsanteile an der dänischen und der belgischen Post besitzt, scheint scharf auf den Einstieg bei dem deutschen Traditionskonzern. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) unter Berufung auf Finanzkreise.

"Wir haben sehr großes Interesse an europäischen Post-Unternehmen", sagte der Deutschland-Chef und Partner von CVC, Steven Koltes. Auch KKR, Blackstone und Permira hätten ein Auge auf die Deutsche Post geworfen. Eine KfW-Sprecherin habe sich zum Interesse der Beteiligungsunternehmen nicht geäußert.

Die KfW hat eine Platzierung ihrer Anteile in Höhe von 41,7 Prozent von der Entwicklung der Märkte abhängig gemacht und den Zeitpunkt offen gehalten. Die Haltefrist ist Mitte Mai abgelaufen. Allerdings könnten die Investoren nur gut 32 Prozent erwerben, heißt es in der "FAZ", da der Rest für zwei Umtauschanleihen reserviert ist.

Die KfW platziert für das Bundesfinanzministerium regelmäßig Aktien der Post und der Deutschen Telekom, um neue Haushaltsmittel frei zu schaffen. Erst kürzlich hatte der Verkauf eines Anteils von 4,5 Prozent an der Telekom aus KfW-Besitz an den Finanzinvestor Blackstone für Aufsehen gesorgt.

In Verruf kamen die Finanzinvestoren vor allem, weil der heutige Bundesarbeitsminister Franz Müntefering sie vor einem Jahr als "Heuschrecken" gegeißelt hatte. "Großes Geld kauft sich mit kurzfristigem Profitinteresse hier ein und beutet Unternehmen in kurzatmigen Zyklen aus", polterte  der damalige SPD-Parteivorsitzende und arbeitete eine Liste aus, in der die schlimmsten Investoren namentliche Erwähnung fanden. Auch Blackstone war dabei.

ase/Reuters