Husseins Luxus-Yacht Das Geheimnis um Saddams schwimmende Festung
Hamburg - Im Yachthafen von Nizza ist skurriler Pomp an der Tagesordnung, doch die Ausstattung der "Ocean Breeze" toppt sicher alles: Sie wartet nicht nur mit Pools, Saunen und Mahagoni-Ausstattung auf, sondern auch mit einem eingebauten Raketenabwehrsystem, einer Ambulanz mit Operationssaal - und einem integrierten Mini-U-Boot, falls es mal brenzlig wird. Die schwimmende Luxusfestung gehörte einst dem irakischen Diktator Saddam Hussein.
Saddam Husseins frühere Jacht: Wie kam sie nach Nizza?
Foto: APDas Raketenabwehrsystem funktioniert heute nicht mehr. Trotzdem würde sich ein hinreichend schräger Milliardär das bizarre Gefährt sicher einiges kosten lassen. So gesehen wundert es nicht, dass die Yacht auf der Website des Londoner Luxusyachthändlers Nigel Burgess zum Verkauf angeboten wurde. Preis: "nach Verhandlung". Die Frage ist nur, wie das Schiff überhaupt nach Frankreich kam und in wessen Namen es Burgess zum Kauf anbietet. Der Makler selbst hüllt sich über die Identität der vermeintlichen Besitzer vornehm in Schweigen.
Ein Gericht in Nizza hat das viel versprechende Geschäft deshalb erst einmal auf Eis gelegt - auf Antrag der irakischen Regierung, die der Ansicht ist, die Superyacht habe nur einen legitimen Besitzer: das irakische Volk.
Es könnte dauern, bis der Streit geklärt ist. Schon bei den Fragen, wo das eigentlich kaum zu übersehende Schiff in den vergangenen zwei Jahrzehnten herumgetuckert ist, wer an Bord war und inwieweit der schwimmende Palast verkauft oder verschenkt wurde, gibt es mehrere Versionen.
Vermeintliche Eigentümer-Firma auf den Cayman-Inseln
Sicher ist nichts - nicht einmal, ob Hussein selbst überhaupt jemals selbst einen Fuß an Deck des 1981 gebauten Luxuskreuzers gesetzt oder auch nur einmal in dem gigantischen Himmelbett des Haupt-Schlafzimmers genächtigt hat. Französischen Medien zufolge soll Hussein sein "Spielzeug", wie die Yacht genannt wurde, jedoch während des Iran-Kriegs 1986 vom Irak in den saudischen Hafen von Dschedda verschifft haben, um es vor Bomben zu schützen.
Irgendwie soll das Schiff nach dem Einmarsch Husseins in Kuwait dann in den Besitz der saudischen Königsfamilie gelangt sein. Allerdings gibt es keine Hinweise, dass Mitglieder das Clans das Boot in den folgenden 17 Jahren auch benutzten. Es blieb in Dschedda, besagt diese Version der Geschichte - an Bord eine griechische Zwölf-Mann-Crew, die alle zwei Jahre für die Wartung nach Griechenland segelte.
Den französischen Quellen zufolge sollen die Saudis das Boot kürzlich Abdullah von Jordanien geschenkt haben. Im Herbst vergangenen Jahres soll die "Ocean Breeze" dann von Dschedda in den jordanischen Hafen von Akaba gebracht worden sein. Im November sei sie nach Nizza verschifft und zum Verkauf angeboten worden. Heute sei der vermeintliche Besitzer der Yacht, in dessen Namen der britische Makler Burgess handelt, eine Firma mit Sitz auf den Cayman-Inseln.
Der Rechtsanwalt Ardavan Amir-Aslani, der die irakische Regierung in dem Streit vertritt, weist wohl nicht zu Unrecht auf einige Unstimmigkeiten dieser Geschichte hin: Wenn das Boot der saudischen Königsfamilie gehörte, warum benutzte sie es nie? Und warum sollte der jordanische König die gigantische Yacht erst in seinen Heimathafen überführen und kurz danach doch verkaufen? Unklar ist laut dem britischen "Independent" auch, wer überhaupt die Seemänner bezahlt, die das Schiff in den vergangenen Jahren versorgt haben. Als französische Polizisten im Rahmen der Untersuchungen in Nizza an Bord der "Ocean Breeze" wollten, soll ein britisches Crew-Mitglied ihnen den Zutritt zunächst mit dem Hinweis verweigert haben, das Schiff sei eine "königliche Yacht".
Die irakische Regierung, die weltweit um die Reste von Husseins Vermögen kämpft, gibt sich in der Auseinandersetzung siegessicher. "Wir haben Beweise, dass die Yacht mit Geld des irakischen Staates gebaut wurde, der deshalb auch der einzig rechtmäßige Besitzer ist", zitiert der "Independent" Anwalt Amir-Aslani. "Wenn irgendjemand Anspruch auf das Boot erhebt, muss er Beweise vorlegen. Wo ist die Rechnung? Wo der Zahlungsnachweis?" Wäre die Yacht irgendwann verschenkt worden, müsste dafür ein entsprechendes Gesetz oder Dekret erlassen worden sein, so der Jurist weiter. "Und so etwas existiert nicht."
Seit dem Richterspruch in Nizza ist es in der Auseinandersetzung aber erst einmal ruhig geworden. Die vermeintliche caymanische Eigentümerfirma hat bislang offenbar noch rein gar nichts von sich hören lassen. Kein Einspruch, keine Stellungnahme, nichts. Jurist Amir-Aslani vermutet, dass das ominöse Unternehmen in irgendeiner Weise mit Husseins Familie in Verbindung steht.
ase