HypoVereinsbank: Alles rennet, rettet, flüchtet - DER SPIEGEL
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HypoVereinsbank Alles rennet, rettet, flüchtet

Die HypoVereinsbank braucht angeblich dringend frisches Kapital. Obwohl das Unternehmen Berichte über eine milliardenschwere Zwangswandelanleihe dementiert, stürzt die Aktie dramatisch ab.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die HypoVereinsbank (HVB)   arbeitet einem Zeitungsbericht zufolge an Plänen für die Ausgabe einer Zwangswandelanleihe in Milliardenhöhe. Konzernchef Dieter Rampl wolle damit angesichts der jüngsten Verluste und der gesunkenen Kapitalquote den dringenden Kapitalbedarf der Bank befriedigen, berichtet das "Handelsblatt" heute unter Berufung auf Bankenkreise. Die Lage des zweitgrößten Kreditinstituts sei offenbar ernster als bisher bekannt. "Es gibt weder Pläne noch Überlegungen für eine Zwangsanleihe", hieß es hingegen am Donnerstag aus Kreisen der Bank.

Aktie fällt auf tiefsten Stand seit zehn Jahren

Die Nachricht schreckte die Börsen am Morgen auf. Die Aktie verlor in der Spitze mehr als 14 Prozent und markierte bei 8,13 Euro den tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Bis 11.30 Uhr konnte der Wert seine Verluste nur geringfügig auf 12,50 Prozent bei 8,40 Euro begrenzen.

"Das ist ein Hilferuf nach mehr Geld", kommentierte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Ein anderer Händler sagte: "Bei den Versicherern war schon lange über Kapitalerhöhungen spekuliert worden, bei den Banken nicht und diese Zwangswandelanleihe ist eine Art Kapitalerhöhung. So hat das keiner erwartet."

Dem Bericht zufolge verhandelt Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut mit Investmentbanken derzeit über eine Zwangswandelanleihe mit einem Volumen von etwa drei bis vier Milliarden Euro. Mit einer Platzierung sei frühestens im zweiten Quartal 2003 zu rechnen.

Die HVB hatte 2002 wegen der Krise an den Finanzmärkten und einer Risikovorsorge von rund 3,8 Milliarden Euro erstmals in ihrer Geschichte einen Jahresverlust verzeichnet, vor Steuern betrug das Minus 821 Millionen Euro. Für das laufende Jahr hatte Rampl jüngst angekündigt, dass die HVB bis Ende des Jahres wieder eine "schwarze Null" erreichen könne. Die Zeitung berichtete unterdessen, dass in den Führungsetagen der Bank erneut ein Verlust von mehreren Hundert Millionen Euro befürchtet werde.

Die Deutsche Telekom   hatte erst vor wenigen Tagen eine Pflichtwandelanleihe im Volumen von 2,3 Milliarden Euro begeben. Diese wird den Käufern auf jeden Fall in Aktien zurückgezahlt. Bei normalen Wandelanleihen können die Anleger dagegen wählen, ob sie das eingesetzte Kapital in bar oder in Aktien zurückerhalten wollen.

Zweifel am Sanierungskurs im eigenen Haus

Vorstandschef Rampl kämpft an allen Fronten

Der neue Vorstandschef der HypoVereinsbank, Dieter Rampl, kämpft derzeit an allen Fronten. Nicht genug, dass er die Kapitalmärkte und die Ratingagenturen von seinem Sanierungsprogramm überzeugen muss. Auch intern würden Zweifel an Rampls Kurs laut, berichtet die Zeitung weiter. Es sei keinesfalls sicher, dass der Umbau der zweitgrößten deutschen Bank zum Erfolg führen werde. "Die Situation ist ernst", heißt es dem Bericht zufolge in Aufsichtsratskreisen.

Rampl selbst ist hingegen überzeugt, dass sich die Bank selbst aus der Krise befreien kann. Der Wahlmünchener mit österreichischem Pass fährt einen harten Spar- und Sanierungskurs. Das Institut wird vermutlich weitere 1000 Stellen streichen. Bislang hatte die Bank den Abbau von 9100 Arbeitsplätzen angekündigt. Alle Bonuszahlungen sollen gestrichen werden. Insgesamt wolle Rampl im laufenden Jahr so die Personalkosten um rund 250 Millionen Euro senken.

Die Ratingagenturen im Nacken

In den Büchern der Bank stehen rund 450 Milliarden Euro an Krediten. Rampl will die risikobehafteten Kredite zügig um bis zu 100 Milliarden Euro drücken, um so eine weitere Abstufung durch Ratingagenturen zu verhindern. Ein neues Downgrade durch die Bonitätsprüfer würde die Refinanzierung der Bank deutlich verteuern und die Ertragslage weiter belasten.

Rampl ist zum Erfolg verdammt

Um die angeschlagene Kapitallage der Bank zu verbessern, schließen Analysten deshalb den Verkauf von Töchterunternehmen nicht aus. Der Verkauf der Norisbank könnte der HVB rund 300 Millionen Euro in die Kasse spülen. Auch der Verkauf der Vereins- und Westbank sei im Gespräch, was der HVB rund eine Milliarde Euro einbringen könnte. Doch bislang ist nichts in trockenen Tüchern. Rampl ist zum Erfolg verdammt: Er selbst hat angekündigt, die für die Ratingagenturen so wichtige Kernkapitalquote (Kernkapital zu Risikokapital) von 5,7 Prozent bis Ende des Jahres auf sieben Prozent zu steigern.

Zwar verlautete am Donnerstagvormittag aus Kreisen der HypoVereinsbank, man plane keine Zwangswandelanleihe, die im Ergebnis nichts anderes als eine Kapitalerhöhung ist. Doch der Erfolg des angekündigten Sanierungskurses ist angesichts der angeschlagenen Kapitalmärkte ungewiss. Der Kapitalbedarf der Bank dagegen ist unbestritten.

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