HypoVereinsbank Gewinn ohne Substanz
München - Das Vorsteuerergebnis der zweitgrößten deutschen Bank lag mit 278 (Vorjahreszeitraum 229) Millionen Euro deutlich unter den von Analysten erwarteten 426 Millionen Euro. Bereinigt um das Finanzanlageergebnis von 457 Millionen Euro, erlitt die HypoVereinsbank (HVB) im zweiten Quartal einen Verlust vor Steuern von 179 Millionen Euro. Im Finanzanlageergebnis sind allein 411 Millionen Euro Einmalgewinn aus der Anteilsreduzierung an der Allianz auf 4,6 von 6,2 Prozent enthalten.
Wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Halbjahresbericht weiter hervorgeht, wird die HVB wegen der noch zu erwartenden Kreditgefährdungen ihre Risikovorsorge für das Gesamtjahr deutlich erhöhen auf 2,5 Milliarden Euro statt der bislang geplanten 2,1 Milliarden Euro.
Vorstandssprecher Albrecht Schmidt sagte außerdem, dass die Bank wohl ihre Ergebnisprognose für das Gesamtjahr nach unten revidieren werde. Es werde zunehmend unwahrscheinlicher, für 2002 noch eine Eigenkapitalrentabilität nach Steuern von sieben bis neun Prozent zu erreichen.
Analysten bezeichneten die Zahlen als schlecht. "Der Markt hatte ohne die Einmaleffekte den Breakeven erwartet und stattdessen sind sie mit einem Verlust von 179 Millionen Euro gekommen", sagte Metehan Sen von Sal Oppenheim. "Die Messlatte hatte sich nach der Reuters-Meldung verschoben, von daher könnte man auch argumentieren, dass sie etwas besser abgeschlossen haben." Die Bank habe Probleme auf der Kostenseite und es bestehe Unsicherheit über das dritte und vierte Quartal.
Die Erträge brächen schneller weg, als die Kosten sinken würden, sagte Konrad Becker, Analyst bei der Privatbank Merck Finck & Co in München. Dennoch habe die Bank seiner Meinung nach beim Verwaltungsaufwand ihre Ziele erreicht. "Eine kleine negative Überraschung ist für mich der Zinsüberschuss", sagte Becker weiter. Dass er im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres zurückgehen würde, sei erwartet worden, doch sei der Rückgang deutlicher ausgefallen als angenommen.
Im frühen Handel notierten die HVB-Aktien, die in den vergangenen Tagen massiv unter Druck gestanden hatten, in einem leicht negativen Gesamtmarkt mit 3,4 Prozent im Plus bei 21,20 Euro.