IBM Big Blue hofft wieder
Armonk - Der weltgrößte Computerkonzern IBM hat im ersten Quartal 2002 auf Grund geringer Computerverkäufe bei Unternehmen den größten Gewinneinbruch seit 1993 verzeichnet. Der Überschuss sei auf 1,19 Milliarden Dollar oder 0,68 Dollar je Aktie gefallen, teilte der Konzern am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Ein Jahr zuvor hatte der Gewinn noch bei 1,75 Dollar oder 0,98 Dollar je Aktie gelegen. Der Quartalsumsatz fiel binnen Jahresfrist von 21 Milliarden Dollar auf 18,6 Milliarden Dollar.
Analysten hatten ihre Prognose auf 0,68 Dollar Gewinn je Aktie und 18,53 Milliarden Dollar Umsatz angepasst, nachdem IBM am 8. April mit Ergebnisschätzungen die Erwartungen der Analysten enttäuscht hatte.
Konzernchef Samuel Palmisano zeichnete einen zuversichtlichen Ausblick. Zwar könne niemand den Zeitpunkt für die Erholung vorhersagen, dennoch sei IBM optimistisch, dass sich das wirtschaftliche Umfeld im Jahresverlauf verbessern werde, sagte Palmisano. Im Handel vor der Ergebnismitteilung hatten IBM-Titel knapp zwei Prozent auf 84,50 Dollar verloren. Im elektronischen Instinet-Handel legten IBM nachbörslich zwei Dollar auf 86,50 Dollar zu.
Der Umsatz mit Dienstleistungen ging binnen Jahresfrist um drei Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar zurück. Der Hardware-Bereich setzte im abgelaufenen Quartal mit 6,4 Milliarden Dollar sogar ein Viertel weniger um.
Das wirtschaftliche Klima sei in den vergangenen Monaten hart gewesen, sagte Palmisano. Er gehe aber davon aus, dass die Kunden weiter auf IBM vertrauten. Zwar könne niemand den zeitlichen Ablauf einer Erholung vorhersagen, aber "wir bleiben zuversichtlich, dass das Geschäftsumfeld später in diesem Jahr besser wird".
Palmisano hatte erst Anfang März den langjährigen Chief Executive Officer (CEO) von IBM, Louis Gerstner, abgelöst. Gerstner bleibt noch bis Ende 2002 Chairman.
Nach Einschätzung eines Analysten kürzte der in Anlehnung an seine Unternehmensfarbe "Big Blue" genannte Computerkonzern seine Ausgaben in verschiedenen Bereichen, um die Prognosen einzuhalten. "Es scheint, als sei die Bruttomarge etwas niedrig. Sie haben aber ihre angekündigte Bandbreite beim Gewinn erreicht, aber dazu mussten sie anscheinend die Ausgaben beschneiden, was sie auch getan haben", sagte Fondsmanager Marty Shagrin von Victory Capital. Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Verwaltung seien gesunken, fügte er hinzu.
Die Schätzungen für den Umsatz im Konzern hatte IBM Anfang April mit 18,4 bis 18,6 Milliarden Dollar angegeben. Auch mit einer Gewinnschätzung von 66 Cents bis 70 Cents je Aktie hatte IBM damals die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Diese hatten zuvor den Umsatz mit 19,65 Milliarden Dollar und den Gewinn je Aktie mit 0,85 Dollar prognostiziert. Big Blue verfehlte damit das erste Mal seit 1991 die Prognosen der Analysten. Die IBM-Aktie brach damals von fast 100 Dollar auf unter 90 Dollar ein.