IBM in Bedrängnis Hewlett-Packard auf der Überholspur
Palo Alto - Seit März 2005 ist Mark Hurd bei Hewlett-Packard (HP) am Ruder, und der Konzernchef ging von Anfang an mit eiserner Hand vor. 15.300 Arbeitsplätze müssten weg, verfügte er und damit zehn Prozent der gesamten Belegschaft. Rund 10.000 hat er bis diesen Juli schon geschafft und das Geschäft ordentlich umgekrempelt. Jetzt macht HP glänzende Geschäfte - und ist auf dem besten Weg, an Branchenprimus IBM in Umsatz und Gewinn vorbeizuziehen.
Schon in den vergangenen drei Monaten konnte HP mit einer Umsatzsteigerung von fünf Prozent auf 21,9 Milliarden Dollar mit dem seit Beginn des Computerzeitalters führenden Konkurrenten umsatzmäßig gleichziehen. Im Gesamtjahr dürfte HP endgültig die globale Führung mit einem Umsatz von mehr als 91 Milliarden Dollar übernehmen, so die Schätzung. Die Wall Street geht für IBM von knapp 90 Milliarden Dollar Jahresumsatz aus. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres brachte es HP bereits auf einen Umsatz von 67,1 Milliarden Dollar nach 63,8 Milliarden ein Jahr zuvor.
Der Gewinn wurde in dem am 31. Juli beendeten Neunmonatsabschnitt mehr als verdoppelt, wie das Unternehmen mit Sitz in Palo Alto gestern nach Börsenschluss mitteilte. Der Überschuss legte auf 4,5 Milliarden Dollar und der Gewinn je Aktie auf 1,57 Dollar zu. Die operativen Gewinne der Gesellschaft stiegen in allen Sparten kräftig. Im Vorjahr hatte es hohe steuerliche Sonderbelastungen gegeben, die für die Repatriierung kumulierter Auslandsgewinne von 14,5 Milliarden Dollar angefallen waren.
HP rechnet für das Schlussquartal des laufenden Geschäftsjahres mit einem Umsatz von 24,1 Milliarden Dollar und mit einem Gewinn von 57 bis 59 Cent je Aktie. Im Gesamtjahr dürfte der Gewinn bei 2,14 bis 2,16 Dollar je Wertpapier liegen.
Analysten zeigten sich zufrieden mit der Zwischenbilanz: Die Zahlen belegten Fortschritte des HP-Chefs auf den Feldern Kosteneinsparung und Unternehmensführung, sagte Cindy Shaw von Moors & Cabot Capital Markets. Die HP-Aktien schossen nachbörslich um 6,16 Prozent auf 36,55 Dollar in die Höhe.
Aktienrückkauf angekündigt
Auch näher betrachtet sind die Zahlen zufrieden stellend: Der PC-Umsatz von HP legte im dritten Quartal deutlich um acht Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar zu. Der operative Gewinn der PC-Sparte stieg von 163 auf 275 Millionen Dollar. Im Gegensatz zum Erzrivalen Dell gewann HP hier zuletzt Marktanteile. Auf dem entscheidenden US-Markt verkauft Dell 34 Prozent aller Computer, HP inzwischen 20 Prozent.
Die lukrative Druckersparte steigerte den Umsatz um fünf Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar und den operativen Gewinn auf 884 Millionen Dollar. Bei Speicherprodukten und Servern gab es einen Umsatzanstieg um drei Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 296 Millionen Dollar im Vergleich zu 147 Millionen Dollar im Vorjahr. Die Dienstleistungssparte legte um ein Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zu und erhöhte den operativen Gewinn von 256 auf 364 Millionen Dollar.
Für die Zukunft kündigte HP ein Aktienrückkaufprogramm von sechs Milliarden Dollar an. Hurd will außerdem das Softwaregeschäft durch den anstehenden Kauf der Softwarefirma Mercury Interactive für 4,5 Milliarden Dollar weiter ausbauen. Es hatte in der Berichtszeit in der Softwaresparte einen Umsatzanstieg von 30 Prozent auf 318 Millionen Dollar gegeben und einen operativen Gewinn von 13 Millionen Dollar gegenüber roten Zahlen von 37 Millionen Dollar in der entsprechenden Vorjahreszeit
tim/dpa/reuters