Ich AG Weniger Arbeitslose machen sich selbständig
Hamburg - Kaum ersetzte der neue Zuschuss für Existenzgründer ohne Job Anfang August die Ich-AG-Regelung, nahmen weniger Arbeitslose die staatliche Unterstützung für den Schritt in die Selbständigkeit in Anspruch. Einem Bericht der "Welt" zufolge machten sich nur 6486 Arbeitslose im August und September mit dem Zuschuss der Arbeitsagenturen selbstständig. Das gehe aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor.
Die Zahl der Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus ist damit dramatisch eingebrochen: Noch im Juli, dem letzten Monat vor der Neuregelung, machten sich mehr als 25.000 Arbeitslose selbständig, davon 10.261 mit einer Ich AG und 15.991 mit dem Überbrückungsgeld.
Eine BA-Sprecherin sagte zu den August- und Septemberdaten, die Zahl sei "sicherlich noch bescheiden". Ein neues arbeitsmarktpolitisches Instrument brauche immer ein wenig Zeit, bis es zum Tragen komme. Zudem sei die Juli-Zahl, die einen neuen Höchststand bei den Existenzgründungen in diesem Jahr markiere, verzerrt. "Da spielt sicher die Torschlusspanik vor Abschaffung der Ich AG eine Rolle."
Wesentlicher Unterschied zwischen alter und neuer Regelung ist die Dauer der Förderung: Als Ich AG erhielten Existenzgründer 36 Monate lang staatliche Unterstützung, unter der neuen Regelung nur noch 15 Monate. Zudem wird das Gründungsvorhaben strenger geprüft. Die Bundesregierung rechnet damit, mehr als eine Milliarde Euro jährlich einzusparen.
Die Grünen, die die Abschaffung der Ich AG scharf kritisiert hatten, sehen sich bestätigt. "Die Neuregelung hat den Weg für viele Menschen aus der Arbeitslosigkeit versperrt", kritisierte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer. Das sei absehbar gewesen. "Der Existenzgründung ist die Existenzgrundlage entzogen."
kaz/dpa-AFX