Ifo-Index Geschäftsklima überraschend verschlechtert
München - In Westdeutschland sank der Index von 91,6 Punkte im Vormonat auf 91,3 Punkte, teilte das Ifo-Institut am Dienstag in München mit. Volkswirte hatten zuvor im Schnitt mit einer Zunahme auf 92,0 Punkte gerechnet. Der viel beachtete Index stützt sich auf Einschätzungen von 7000 Unternehmen zu momentanen und zukünftigen Geschäftsaussichten. Die Beurteilung der aktuellen Lage verbesserte sich in Westdeutschland im Juni von 77,7 Punkten im Vormonat auf 78,3 Punkte. Der Index der Geschäftserwartungen sank auf 104,9 Punkte nach 106,2 Punkten im Vormonat.
In den neuen Bundesländern hat sich die wirtschaftliche Entwicklung den Angaben des Ifo-Instituts zufolge aufgehellt. Der Geschäftsklimaindex stieg von 99,4 Punkten im Vormonat auf 99,9 Punkte im Juni. Das Urteil zur gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage verbesserte sich von 113,7 Punkten im Mai auf 113,9 Punkte. Der Erwartungsindex für die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten stieg von 85,8 Punkten auf 86,5 Punkte.
Der Rückgang im Juni im Westen resultiert nach Ifo-Angaben "ausschließlich aus den nicht mehr ganz so günstigen Erwartungen für die nächsten sechs Monate". Die Urteile zur gegenwärtigen Geschäftslage hätten sich dagegen "etwas aufgehellt". Zur Verschlechterung des Geschäftsklimas hätten ungünstigere Meldungen aus dem Bauhauptgewerbe sowie aus dem Einzelhandel und dem Großhandel beigetragen. Im verarbeitenden Gewerbe habe sich das Geschäftsklima dagegen weiter erholt.
Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut hat seine Wachstumsprognose für Deutschland leicht angehoben. Die Konjunkturexperten gehen nun von einer Steigerung des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,7 Prozent aus. Die vorhergehende Ifo-Prognose aus dem Dezember 2001 war von einem BIP-Wachstum für 2002 von 0,6 Prozent ausgegangen. Im kommenden Jahr 2003 soll sich das Wachstum in Deutschland auf eine Rate von 2,3 Prozent beschleunigen.
Dabei sollen die Exporte 2002 um 3,5 Prozent zunehmen, während die Importe voraussichtlich einen Rückgang von 1,2 Prozent verzeichnen werden. Im kommenden Jahr sollte das Wachstum der Einfuhren das der Ausfuhren überflügeln: Für 2003 sieht das Ifo-Institut ein Import-Wachstum von 7,3 Prozent, dem ein Export-Wachstum von 6,1 Prozent gegenüberstehen dürfte.
Bei den privaten Konsumausgaben wird es nach Ansicht des Ifo-Instituts im laufenden Jahr ein Null-Wachstum geben, bevor sie im kommenden Jahr um 1,8 Prozent zulegen sollten, hieß es. Die Konsumausgaben des Staates sollten demnach 2002 um 1,2 Prozent steigen und im kommenden Jahr nicht mehr zunehmen.
Die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland wird nach Ansicht der Wirtschaftsforscher von 3,852 Millionen im vergangenen Jahr auf 4,010 Millionen in diesem Jahr steigen. Eine Entspannung sei erst für 2003 in Sicht, in dem die Arbeitslosenzahl auf 3,870 Millionen sinken werde. Auf Grundlage dieser Zahlen rechnen die Experten 2002 mit einer Arbeitslosenquote von 9,4 Prozent und 2003 mit einer von 9,1 Prozent.
Bei der Inflation in Deutschland erwartet das Institut eine Beruhigung. Die Teuerungsrate von 2,5 Prozent im vergangenen Jahr sollte 2002 bei 1,6 Prozent und 2003 bei 1,5 Prozent liegen, so die Experten. Ungünstiger sieht es für die Preisentwicklung im Euroraum aus. So sollte dort die Jahresinflation 2002 über dem Referenzwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent liegen. War das Institut hier im Dezember für 2002 noch von einer Teuerungsrate von 1,8 Prozent ausgegangen, sieht es nun eine Rate von 2,1 Prozent. 2003 wird eine leichte Abschwächung der Verbraucherpreisinflation im Euro-Währungsgebiet auf eine Rate von 2,0 Prozent erwartet.