Ifo-Institut: Warnung vor der Stagnation - DER SPIEGEL
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Ifo-Institut Warnung vor der Stagnation

Die Konjunkturforscher des Ifo-Instituts haben ihre Wachstumsprognose für das Jahr halbiert. Damit unterboten sie alle anderen Wirtschaftsinstitute.
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München - "Die deutsche Konjunktur hat gegenwärtig den Tiefpunkt noch nicht erreicht", heißt es in einem Bericht des Instituts. Im März war Ifo noch von einem Wachstum von 2,4 Prozent ausgegangen, nun sind es nur noch 1,2 Prozent. In der vergangenen Woche hatten bereits vier andere Institute ihre Prognosen deutlich nach unten geschraubt und rechnen nunmehr nur noch mit einem Wachstum zwischen 1,3 und 1,7 Prozent. Die Bundesregierung hält bisher an ihrer Prognose von 2,0 Prozent fest.

Im Jahresdurchschnitt befinde sich die deutsche Wirtschaft nahe einer Stagnation, urteilten die Ifo-Wirtschaftsforscher. Dennoch werde nicht mit einer Rezession gerechnet. Bereits im zweiten Halbjahr erwarten die Konjunkturforscher sowohl in Deutschland als auch im gesamten Euroraum eine moderate Aufwärtsentwicklung der Konjunktur.

Deutschland Schlusslicht im Euroraum

Da im gesamten Euroraum mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent gerechnet werde, bleibe Deutschland aber auf absehbare Zeit das Schlusslicht im Euro-Zug. Im "späteren Verlauf" des Jahres erwartet das Ifo-Institut eine leichte Zinssenkung der Europäischen Zentralbank.

Auf Grund der trüben Konjunkturaussichten sehen die Konjunkturforscher in den nächsten Monaten auf dem Arbeitsmarkt keine spürbare Verbesserung. "Die Zahl der Arbeitslosen dürfte in diesem Herbst sogar das Vorjahresniveau übertreffen."

Bundesregierung erreicht Arbeitslosenziel nicht

Erst im kommenden Jahr werde die Arbeitslosigkeit sinken. Allerdings werden nach Einschätzung des Instituts auch dann im Jahresdurchschnitt 3,8 Millionen Menschen ohne Arbeit sein. Das Ziel der Bundesregierung, die Arbeitslosigkeit bis zum Herbst kommenden Jahres unter die Marke von 3,5 Millionen zu senken, werde demnach nicht erreicht. Insgesamt wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des Instituts im kommenden Jahr um 2,2 Prozent wachsen. Auch der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard erwartet, dass die Bundesregierung ihre Ziele zum Abbau der Arbeitslosigkeit nicht erreicht.

Experten befürchten anhaltende Schwäche

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, sieht Anzeichen, dass es sich nicht nur um eine Konjunkturdelle in den USA und Europa handelt. Es sehe so aus, als "ob wir einen ganz normalen, das heißt eher zwei Jahre dauernden Abschwung bekommen - mit abschwächender Investitionstätigkeit und natürlich dann auch mit Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt", sagt er dem WDR. Auch Rüdiger Pohl Pohl, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle befürchtet eine längere Wachstumsschwäche. Er nannte die schleppende Entwicklung des privaten Verbrauchs als Hauptproblem und machte dafür vor allem den Anstieg der Preise verantwortlich.

Prognosen im Tiefenrausch

Für das laufende Jahr hatten bereits die meisten anderen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen gesenkt. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen geht nunmehr von einem Wachstum von 1,7 Prozent aus. Im Februar hatte das RWI noch 2,8 Prozent Wachstum erwartet. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) senkte die Erwartungen von 2,1 Prozent im Frühjahr auf ebenfalls 1,7 Prozent. Das Hamburgische Welt- Wirtschafts-Archiv (HWWA) sagte ebenfalls ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent voraus. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) prognostizierte nur noch 1,3 Prozent. Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Klaus Zimmermann, hatte bereits in einem Interview im Mai gesagt, das Wirtschaftswachstum könne im laufenden Jahr unter zwei Prozent fallen.