Ifo-Prognose: Konsum wird zur Konjunktur-Lokomotive - DER SPIEGEL
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Ifo-Prognose Konsum wird zur Konjunktur-Lokomotive

Das Ifo-Institut hat seine Konjunktur-Prognose vorgelegt. Danach wird sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland trotz positiver Impulse durch die Steuerreform spürbar abschwächen.
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München - Die Wachstumsrate werde von drei Prozent in diesem Jahr auf 2,5 Prozent sinken, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Mittwoch in München. Auch 2002 werde sich das Plus in dieser Größenordnung bewegen. "Der Aufschwung wird etwas weniger solide." Die Zahl der Arbeitslosen werde dennoch in den nächsten beiden Jahren deutlich zurückgehen. In Ostdeutschland seien allerdings nur wenige Beschäftigungsimpulse in Sicht.

Nach einem Rückgang um 210.000 auf knapp 3,9 Millionen im laufenden Jahr dürfte sich die Zahl der Arbeitslosen 2001 um 260.000 auf rund 3,6 Millionen verringern, sagte Ifo- Chefvolkswirt Willi Leibfritz. Die Arbeitslosenquote werde auf 8,6 Prozent abnehmen, nach 9,2 Prozent in diesem Jahr. Für 2002 rechne das Institut mit einem weiteren Rückgang auf 8,1 Prozent, das wären rund 3,4 Millionen Arbeitssuchende. Verglichen mit 1997, dem Jahr mit dem zuletzt höchsten Stand von rund 4,4 Millionen Arbeitslosen, sei dies beachtlich, sagte Leibfritz.

Mit seiner Konjunktur-Prognose reiht sich das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung in den Reigen der anderen Institute ein. So erwartet das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) einen Rückgang der Wachstumsrate auf nur noch 2,4 Prozent, das Essener Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) prognostizierte eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,8 Prozent. In ihrem gemeinsamen Herbstgutachten hatten die sechs führenden Forschungsinstitute 2,7 Prozent Wachstum für 2001 vorausgesagt. Die Regierung geht von 2,75 Prozent aus. Im laufenden Jahr werden es rund drei Prozent sein.

Verantwortlich für die Abkühlung in Deutschland sei insbesondere die erwartete Abschwächung der Weltkonjunktur, die den Export bremse, sagte Leibfritz. Auch die restriktive Geldpolitik in Europa und den USA wirke dämpfend. Positive Impulse gebe es dagegen vom Ölpreis, der wieder leicht zurückgehen werde. Dies werde auch dazu führen, dass die Inflationsrate in Deutschland 2001 von 1,9 auf etwa 1,5 Prozent zurückgehe. Der Euro wird ebenso wie die Zinsen nach Ifo-Schätzung 2001 stabil bleiben.

Im Einzelhandel und bei privaten Dienstleistern in Deutschland sei auf Grund der Einkommenssteigerungen mit etwas mehr Schwung zu rechnen, sagte Leibfritz. "Der Konsum wird im nächsten Jahr zur Konjunktur-Lokomotive."

Wenig optimistisch sind die Münchner Wirtschaftsforscher für die neuen Bundesländer. Die Produktivität komme über 59 Prozent des Westniveaus nicht hinaus und sei zuletzt sogar rückläufig gewesen, sagte Sinn. Zwar habe sich die Beurteilung von Geschäftslage und den Erwartungen zuletzt nicht weiter verschlechtert. "Das Beschäftigungsniveau hat aber überall abgenommen." Man müsse befürchten, dass "die Reise dort noch weiter bergab geht". Die neuen Bundesländer seien weiterhin "eine Transfer-Ökonomie, die weitgehend von westdeutschem Geld lebt".