IG-Metall-Chaos "Das Ganze wird zum Panoptikum"
Frankfurt am Main - Für Claus Eilrich ist es die Zeit der Bewährung. Beinahe täglich ist der IG-Metall-Sprecher in der Not, einer zunehmend verwirrten Öffentlichkeit die Kapriolen seiner Vorstände wenigsten halbwegs plausibel zu erklären. Am Freitag war es wieder so weit, nachdem der scheidende Gewerkschaftsvorsitzende Klaus Zwickel eine am Vortag überraschend angesetzte Pressekonferenz ebenso überraschend wieder abgesagt hatte.
"Wir wollen keinen Schnellschuss, sondern ein Konzept, von dem die ganze IG Metall sagt, das tragen wir mit, das ist ein glaubwürdiger Neuanfang", sagte Eilrich zur Entschuldigung gegenüber enttäuschten Journalisten, die sich neue Informationen zur künftigen Besetzung des IG-Metall-Vorstands erhofft hatten. Für eine Lösung sei aber mehr Zeit erforderlich als gedacht, denn sie könne nicht von oben nach unten durchgesetzt werden. "Die ganze IG Metall muss das mittragen", sagte Eilrich.
Und wieder einmal waren es die Provinzfürsten, die deutlich ausdrückten, was Eilrich mit beinahe rührender Hilflosigkeit zu überspielen versucht. "Der IG-Metall-Vorsitzende weiß im Moment nicht so richtig, was er tut, das Ganze wird zum Panoptikum", hieß es zum Beispiel aus der Verwaltungsstelle Münster. "Ich bin froh, dass er (Zwickel) den Termin abgesagt hat", sagte auch der Erste Bevollmächtigte der IG Metall-Verwaltungsstelle Stuttgart, Jürgen Stamm. "Wir müssen aufhören, die Lösung der internen Probleme über die Medien zu suchen. Die Lösungen finden wir nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur in der IG Metall." Zugleich warnte er davor, die IG Metall Baden-Württemberg in der Führungsfrage zu übergehen. Eine Beilegung der Führungskrise ohne oder gegen die baden-württembergische IG Metall wäre nicht gut für die Organisation.
Jörg Köther, Sprecher des Bezirks Niedersachsen, und emsiger Fürsprecher für IG-Metall-Vize Jürgen Peters, sagte, man sei sowohl von der Ankündigung als auch von der Absage der Pressekonferenz überrascht worden. Das Hickhack vor aller Öffentlichkeit bringe die Lösung aber keinen Schritt näher. Köther nutzte die Gelegenheit, seinen Kandidaten noch einmal ins Gespräch zu bringen. "Der Bezirk befürwortet weiterhin eine Tandemlösung mit Jürgen Peters an der Spitze", sagte Köther. Damit sei die politische Vielfalt in der IG Metall am ehesten repräsentiert.
Über das Wochenende soll es weitere Gespräche mit möglichen Kandidaten für ein Führungsamt geben, die sich vermutlich bis Mitte kommender Woche hinziehen. Am Mittwoch soll der gesamte Vorstand über ein Vorziehen der Vorstandsneuwahlen auf Ende August entscheiden und einen neuen Personalvorschlag machen.
Doch diese Aufgabe bleibt unverändert schwierig. Seitdem der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber seine Kandidatur für den Vizeposten zurückgezogen hat, steht der Vorstand ohne offiziellen Wahlvorschlag für die Posten des Ersten und Zweiten Vorsitzenden da. Der umstrittene IG-Metall-Vizechef Jürgen Peters hatte seinen Anspruch auf den Vorsitz mehrmals bekräftigt. Nach dem gescheiterten Streik in Ostdeutschland steht er wegen seiner Zuständigkeit für die Tarifpolitik im Kreuzfeuer der Kritik. Eine Lösung unter der Regie des Vorstandes scheint die IG Metall Bayern ohnehin bereits aufgegeben zu haben. Der Gewerkschaftstag werde jetzt gebraucht, um die IG Metall wieder handlungsfähig zu machen, sagte ein Sprecher in München. "Wir brauchen kein Tandem, sondern ein Führungsteam, das die Besten der IG Metall abbildet."
Gewerkschaftssprecher Eilrich nannte es indes möglich, dass sich der Vorstand am Mittwoch nicht auf einen neuen Personalvorschlag einigen könne und die Auswahl dem vorgezogenen Gewerkschaftstag überlassen werde. Dann könne sich jeder, der kandidieren wolle, zur Wahl stellen. Dies wäre sehr demokratisch und transparent.