IG-Metall-Krise: DIW befürchtet Flächenbrand - DER SPIEGEL
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IG-Metall-Krise DIW befürchtet Flächenbrand

Die Führungskrise in der IG Metall könnte nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, die gesamte Gewerkschaftsbewegung in Frage stellen. Trotzdem ist an eine schnelle Klärung der Führungskrise offenbar kaum noch zu denken.
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Stuttgart/Berlin/Frankfurt am Main - Zimmermann warnte angesichts des Machtkampfes in der IG Metall gar vor einer Krise der Gewerkschaften überhaupt. "Es sieht so aus, dass die bisher mächtigste Gewerkschaft in eine Todesstarre verfällt", sagte Zimmermann in Berlin. Bereits im Streit mit der Bundesregierung um die Sozialreformen der Agenda 2010 habe sich gezeigt, dass Gewerkschaften immer weniger Gehör bei Politik und Öffentlichkeit fänden.

Wenn den Arbeitnehmerorganisationen aber keine Umorientierung auf die Probleme der Zeit gelinge, könne dies der Anfang vom Ende der gesamten Gewerkschaftsbewegung sein. Sollte sich die als traditionell geltende Richtung des IG-Metall-Vize Jürgen Peters durchsetzen, sei dies ein Signal dafür.

Die Einsicht, dass eine schnelle Einigung in der Führungsfrage dringend geboten ist, hat sich offenbar inzwischen auch bis zum IG-Metall-Vorstand herumgesprochen. Öffentlich mahnte jetzt DaimlerChrysler-Betriebsrats-Chef und IG-Metall-Vorstandsmitglied Helmut Lense eine schnelle Klärung an. "Ein wirklich neuer Personalvorschlag geht nur, wenn alle die Einsicht haben, dass die Einheit der IG Metall an oberster Stelle steht", sagte Lense am Donnerstag in Stuttgart. Einsicht könne man aber nicht erzwingen, fügte er mit Blick auf den stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Peters hinzu.

Der Führungsstreit schwäche die Gewerkschaft enorm. Ihr Ansehen in der Öffentlichkeit wie auch bei den Mitgliedern leide. "Die normalen Menschen verstehen nicht mehr, was sich in der IG Metall abspielt", sagte Lense. Eine Aufarbeitung des abgebrochenen Streiks im Osten für die 35-Stunden-Woche finde nur zum Teil statt. Ferner sei unklar, wie es weitergehe. In Ostdeutschland gebe es auch in Sachen Arbeitszeit zurzeit keinen gültigen Tarifvertrag.

Unterdessen hat IG-Metall-Chef Klaus Zwickel Hoffnungen auf eine baldige Beendigung der Krise gedämpft. Der amtierende Vorstand sei in der augenblicklichen Patt-Situation nicht in der Lage, die Krise zu lösen, sagte Zwickel am Mittwoch. Nach dem vergeblichen Versuch, eine Brücke zwischen den gegensätzlichen Strömungen zu bauen, müsse nun bis zum 1. September neu entschieden werden.

Er appellierte an Betriebsräte und Vertrauensleute, sich in die aktuelle Debatte um die neue Führungsmannschaft einzumischen. "Die ehrenamtlichen Funktionäre in den Betrieben müssen sich stärker einbringen, um die politische Neuausrichtung der Gewerkschaft und die künftige Besetzung der Vorstandspitze zu beeinflussen."