IG-Metall-Krise: Zwickels Eiertanz - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

IG-Metall-Krise Zwickels Eiertanz

Die Führungskrise in der IG Metall hat am Freitag einen neuen Tiefpunkt erreicht. Erst weckte Gewerkschaftschef Klaus Zwickel Erwartungen, er werde mit einem neuen Personalvorschlag aufwarten, dann wurde er offenbar von seinen Vorstandskollegen zurückgepfiffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - "Es sind weitere Gespräche zur Klärung der Fragen der Besetzung der neuen Führungsspitze notwendig", sagte Gewerkschaftssprecher Claus Eilrich. Ob Zwickel nun vor der für kommenden Mittwoch geplanten Vorstandssitzung noch mit einem eigenen Personalvorschlag an die Öffentlichkeit gehen wird, ist nach den Worten Eilrichs unklar. "Wir orientieren uns jetzt zunächst einmal auf die Vorstandssitzung am Mittwoch", sagte er.

Es werde intensiv an einer Lösung gearbeitet, die einen glaubwürdigen Neuanfang ermögliche. Die ursprüngliche Einschätzung, die Gespräche bis Freitagvormittag abschließen zu können, habe aber sich als falsch herausgestellt, sagte er. "Wir brauchen etwas mehr Zeit dafür". Deshalb seien weitere Gespräche auch über das Wochenende notwendig. "Wir wollen keinen Schnellschuss, sondern ein Konzept, von dem die ganze IG Metall sagt, das tragen wir mit, das ist ein glaubwürdiger Neuanfang", erläuterte Eilrich. Spekulationen über einen möglichen Rücktritt von IG Metall Chef Klaus Zwickel entbehrten jeder Grundlage.

Gewerkschafter hatten für den heutigen Freitag einen neuen Personalvorschlag des aus dem Amt scheidenden Zwickel erwartet, um die seit dem gescheiterten Streik in Ostdeutschland andauernde Führungskrise zu überwinden. In Vorstandskreisen war Zwickels Vorgehen kritisiert worden. Es sei der falsche Weg, vor der für nächsten Mittwoch anberaumten entscheidenden Vorstandssitzung Namen zu nennen. Nun sollen die Lösungsvorschläge bei der Vorstandssitzung präsentiert und abgesegnet werden. Ende August wird ein Gewerkschaftstag die neue Führung wählen.

Nachdem der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber eine Kandidatur abgelehnt hat, soll auf Zwickels Vorschlagsliste ein anderer Kandidat aus Baden-Württemberg zu finden sein. Dieser dürfte - ebenso wie Huber - aus dem Reformerlager kommen. Dass der umstrittene IG-Metall-Vize Jürgen Peters auf der Liste stehe, sei nach dem Streit der vergangenen Wochen nicht vorstellbar, hieß es in Gewerkschaftskreisen im Südwesten. Peters hielt bisher unbeirrt an seiner Kandidatur fest und hofft auf einen Kompromiss im Führungsstreit.

Nach dem Scheitern des Streiks in Ostdeutschland hatte sich in der IG-Metall-Führung tiefgreifende Meinungsunterschiede offenbart. Mehrere Bezirkschefs sowie auch Zwickel hatten Peters für die Streikniederlage verantwortlich gemacht und dessen Verzicht auf eine Kandidatur für den Vorsitz verlangt.

Auch die Gewerkschaftsbasis sprach sich gegen Peters aus. Bei einer Mitgliederbefragung im Opel-Werk Rüsselsheim zur Krise der IG Metall votierten 95 Prozent der Befragten für personelle Konsequenzen. In einer Versammlung am Donnerstag wurde aber auch heftige Kritik an der gesamten IG-Metall-Spitze laut. Der Unmut richtete sich besonders gegen Zwickel, der seine Teilnahme kurzfristig abgesagt hatte.