IG-Metall-Streikdrohung "Es reicht jetzt"
Hamburg - "Ich bin skeptisch, dass wir eine Lösung am Verhandlungstisch finden werden", sagte Huber der "Financial Times Deutschland". Der Forderung der Arbeitgeber, die Wochenarbeitszeit in den einzelnen Betrieben in einem Korridor zwischen 35 und 40 Stunden freizugeben, erteilte er dabei eine klare Absage. "Zusätzlich haben die Reformen der Bundesregierung ein Klima erzeugt, in dem die Menschen sagen: Es reicht jetzt", so der Vize-Vorsitzende der IG Metall.
Am Mittwoch treffen sich die Tarifparteien in Pforzheim zur voraussichtlich für ganz Westdeutschland entscheidenden Tarifverhandlung im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg. Sollten die Gespräche scheitern, könnte laut Huber ein Streik Ende Februar oder Anfang März beginnen. Zwar habe die IG Metall kein Interesse an einem Arbeitskampf. Zweifel an der Streikbereitschaft der Gewerkschaft dürfe es aber nicht geben: "Die Menschen halten die Idee, 40 Stunden in der Woche - in manchen Betrieben sogar ohne Lohnausgleich - zu arbeiten, für eine inakzeptable Provokation."
Mit der Diskussion um flexible Arbeitszeiten habe der Tarifkonflikt eine europäische Dimension erreicht, sagte Huber: "Ich bin überzeugt, wenn wir hier nachgeben und die Bewährungsprobe nicht bestehen, hat dies tief greifende Auswirkungen auf die Arbeitszeitsysteme überall in Europa." Gleichwohl deutete Huber bei der Arbeitszeitfrage Gesprächsbereitschaft an: So könne der Anteil der Belegschaft, der heute schon länger arbeiten dürfe, flexibilisiert werden und von 18 Prozent um einige Prozentpunkte leicht ansteigen.
Der IG-Metall-Vorstand will heute in Frankfurt am Main über das weitere Vorgehen in dem Tarifkonflikt beraten. Am Montagabend waren bereits die Bezirksleiter der Gewerkschaft zu Beratungen zusammenkommen. Der niedersächsische Bezirksleiter Hartmut Meine hatte nach der ergebnislosen Verhandlungsrunde am Montag in Hannover unverhohlen mit einem unbefristeten Streik gedroht. Bisher bieten die Arbeitgeber in zwei Stufen jeweils 1,2 Prozent mehr Lohn und Gehalt, die IG Metall fordert vier Prozent.
Der Berliner Wirtschaftsprofessor Jürgen Kromphardt riet der IG Metall, sich auf keinen Fall auf die von den Arbeitgebern geforderte Heraufsetzung der Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden pro Woche einzulassen. "Eine Verlängerung der Arbeitszeit wäre nicht beschäftigungsfördernd, sondern beschäftigungsverringernd", sagte er. Wenn die Arbeitsstunden billiger würden, werde dies zu einer höheren Nachfrage nach Arbeitsstunden führen. Da die Beschäftigten diese aber selbst leisten könnten, würden die Unternehmen voraussichtlich geneigt sein, Personal abzubauen. Kromphardt ist Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamrtwirtschaftlichen Situation.