IG-Metall-Vorschlag Zwickels Qualifizierungsoffensive für den Osten
Frankfurt am Main - Insgesamt würde so letztendlich beiden Seiten gedient, weil damit gleichzeitig Arbeitsplätze gesichert würden, begründete Zwickel seinen Vorschlag.
Gleichzeitig machte der IG-Metall-Vorsitzende erneut Kompromissbereitschaft deutlich. Ziel sei zwar nach wie vor eine Variante des vor wenigen Wochen mit den Vertretern der Stahlindustrie ausgehandelten Stufenplans, doch angesichts der verhärteten Fronten und der Blockadehaltung der Arbeitgeber sei die IG Metall bereit zu anderen Lösungen. Die Streikenden erwarteten mit wachsender Ungeduld, dass der Konflikt schnell gelöst wird. Bis Mitte dieser Woche werde die IG Metall mit dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall die Einigungsmöglichkeiten ausloten.
Voraussetzung für neue Verhandlungen sei, dass diese tatsächlich zu einer Lösung führen könnten. Dazu müssten beide Seiten aufeinander zu gehen. Konkrete Verhandlungen seien frühestens ab Donnerstag möglich. Spätestens bis zum Wochenende werde sich entschieden haben, ob weitere Verhandlungen Sinn machten. Ein Spitzengespräch zwischen ihm und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser werde es aber vorerst nicht geben, sagte Zwickel. Auch sei es zu früh, über eine Schlichtung zu reden.
Vom Erfolg der Sondierungen hänge die weitere Gangart der Gewerkschaft ab. Zwickel betonte, die Streikfront im Osten stehe, und drohte zugleich mit stundenlangen Betriebsversammlungen und Demonstrationen in westdeutschen Firmen. Dies sei am Montag mit den betreffenden Betriebsräten besprochen worden. Der IG Metall sei von Anfang an klar gewesen, dass dies keine kurzfristige Tarifauseinandersetzung würde.
IG Metall will Flächentarifvertrag erhalten
Zwickel fügte hinzu, es gehe auch um den grundsätzlichen Bestand des Flächentarifvertrages. Er warf insbesondere dem sächsischen Arbeitgeberverband VSME vor, seine Mitgliedsunternehmen regelrecht zum Abschließen von Haustarifverträgen ermuntert zu haben. Es gebe Kräfte im Arbeitgeberlager und in der Politik, die den Tarifkonflikt im Osten für eine prinzipielle Auseinandersetzung missbrauchen wollten. "Die IG Metall hat die Kraft, diese Auseinandersetzung zu bestehen", sagte Zwickel.
Insgesamt habe die IG Metall bereits in neun Unternehmen einen Tarifvertrag über die Einführung der 35-Stunden-Woche abgeschlossen. Die Gewerkschaft wolle den Trend aber nicht verstärken. "Das würde das ganze System zerstören", sagte der im Herbst scheidende IG-Metall-Vorsitzende.
Der designierte neue Gewerkschaftschef Jürgen Peters warnte die Arbeitgeber im Westen vor einer kalten Aussperrung. In diesem Fall könne die Stimmung in den alten Bundesländern ganz schnell umschlagen, sagte der jetzige Zweite IG-Metall-Vorsitzende. Unterstützungszahlungen für die betroffenen Arbeitnehmer sollten nicht verweigert werden. "Wir haben kein Interesse an einem Nebenkriegsschauplatz", sagte Peters.