IG-Metall: Zerfällt der Vorstand? - DER SPIEGEL
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IG-Metall Zerfällt der Vorstand?

Der offene Machtkampf um die Spitze der IG Metall hat die größte deutsche Industriegewerkschaft gespalten. Offenbar erwägen jetzt Vorstandsmitglieder um den Vorsitzenden Klaus Zwickel einen Rücktritt aus Protest gegen die Kandidatur des umstrittenen Vize-Chefs Jürgen Peters.
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Berlin - Die "Süddeutsche Zeitung" meldet unter Berufung auf Gewerkschaftskreise, mehrere Vorstandsmitglieder würden einen Rücktritt erwägen, falls Peters nicht seine Kandidatur fü den Cheposten zurückzieht. IG-Metall-Sprecher Eilrich bezeichnete den Bericht zwar als Spekulation. Das sei "völlig abwegig". Doch innerhalb der Gewerkschaft werden die Zweifel lauter, ob Peters nicht lediglich das sprichwörtliche Bauernopfer wäre.

Zu den Zweiflern gehört auch der einflussreiche Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Klaus Volkert, der indirekt sogar den gesamten Vorstand zum Rücktritt aufforderte. "Ich lehne es ab, das einzelne zur Verantwortung gezogen werden. Wenn es denn personelle Konsequenzen geben muss, dann betreffen sie den gesamten Vorstand", sagte Volkert.

Andere einflussreiche Mitglieder der IG Metall wollen von einer Kollektivschuld weiterhin nichts wissen. "Es geht darum, ob Peters als oberster Tarifpolitiker die Verantwortung für unsere größte Niederlage seit fünfzig Jahren übernimmt", sagte etwa Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

Schnelle Entscheidung gefordert

Bereits am Morgen hatte auch der baden-württembergische IG-Metall-Vorstand Helmut Lense seine Rücktrittsforderung an Peters bekräftigt. Die Entscheidung müsse entgegen Peters' Forderung vor dem Gewerkschaftstag im Oktober fallen, damit man nicht in völliger Zerrissenheit ende. Auch IG-Metall-Chef Zwickel hatte Peters in einem Interview indirekt einen Rücktritt nahe gelegt.

Peters wird neben Bezirksleiter und Verhandlungsführer Hasso Düvel für die Niederlage im Streik für die 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie verantwortlich gemacht.

Geschlagen gibt sich der IG-Metall-Vize aber so leicht nicht. In einem Interview bekräftigte er seinen Führungsanspruch und griff seine Kritiker in scharfem Ton an. "Das Problem lautet, dass ich als Vorsitzender von einigen nicht gewünscht werde. Es ist immer wieder versucht worden, mich zu verhindern", sagte Peters. Nun sei offensichtlich die dritte Welle angelaufen, bei der seine Gegner auch die Öffentlichkeit einschalteten und sich nicht scheuten, auch der IG Metall Schaden zuzufügen. Aber: "Es gibt natürlich genau so viele Stimmen, die sagen: Durchhalten, so kann man das nicht machen."

Niedersachsen ist Peters-Land

Rückdeckung erhält Peters zum Beispiel von seinem Heimatbezirk Niedersachsen. Dessen Leiter Hartmut Meine erklärte im NDR, Peters' Kandidatur finde in den Betrieben in Niedersachsen wie auch in Sachsen-Anhalt eine breite Unterstützung. Er halte auch nichts davon, jetzt neue Namen ins Spiel zu bringen.

Zu den neuen Namen, die vorübergehend im Gespräch waren, zählt auch der des nordrhein-westfälischen Arbeitsministers Harald Schartau. Der ehemalige IG-Metall-Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen beeilte sich aber zu erklären, er stehe für dieses Amt "definitiv" nicht zur Verfügung. Wie die "Welt" berichtetet, seien die zitierten Vorstandsmitglieder seien zwar klar gegen Peters, sähen zugleich aber auch den baden-württembergischen IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber nicht als Idealbesetzung für den Chefposten an. Huber ist Kandidat für den Vizeposten und war von Zwickel ursprünglich als Nachfolger für sein Amt favorisiert worden.

Der ebenfalls unter Druck stehende Berliner IG-Metall-Bezirksleiter Hasso Düvel will laut "Berliner Zeitung" sein Amt frühestens beim Gewerkschaftstag zur Verfügung stellen. Düvel sagte, er wolle sich an der Aufarbeitung der Niederlage beteiligen und dem Gewerkschaftstag Rechenschaft ablegen. Wenn jetzt unter öffentlichem Druck vorzeitig Köpfe rollen würden, fände keine Aufarbeitung mehr statt, dann wären alle weiterführenden Diskussionen schnell zu Ende. In einem offenen Brief forderten Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Düvel auf, nicht zurückzutreten.

Am Dienstag will der Vorstand über Konsequenzen aus dem Streikdebakel in Ostdeutschland entscheiden.