Affären Immer gut im Geschäft
Stundenlang saß Helmut Guthardt, der Chef der DG Bank, am Dienstag der letzten Juni-Woche im Zürcher Hotel Savoy mit einem Vertreter der Finanzgesellschaft Profina Invest AG zusammen. Guthardt wollte, koste es was es wolle, Mehrheitsaktionär der in Appenzell beheimateten Profina werden und eine Firma gleichen Namens auf der Kanalinsel Guernsey kaufen.
Zwei Wochen später gehörten der DG Bank 75 Prozent an der Schweizer Gesellschaft. Guthardt bekam sie für runde 2,7 Millionen Franken. Die Profina Limited auf Guernsey gab es für den symbolischen Preis von einem Pfund dazu.
Guthardt hatte keineswegs deshalb so hartnäckig verhandelt, weil die DG Bank dringend einen Ableger in der Schweiz braucht. Er hatte ein ganz anderes Ziel vor Augen: Mit dem Erwerb der Profina kam er an Firmenunterlagen, die für ihn überaus wertvoll sind. Sie geben Aufschluß über eine Wertpapieraffäre, die sein Institut seit Februar belastet.
Damals stritt sich Guthardt mit französischen Bankern über Wertpapiergeschäfte in Höhe von sechs Milliarden Mark. Keiner wollte die festverzinslichen Papiere geordert haben. Sie waren inzwischen, wegen allgemein gestiegener Zinsen, extrem im Kurs gefallen.
In dem deutsch-französischen »Finanzkrieg« (Guthardt) gab die DG Bank schließlich aufgrund massiven politischen Drucks aus Paris klein bei und nahm die Papiere mit einem Wertverlust von 600 Millionen Mark in ihre Bücher. Der Ruf des genossenschaftlichen Spitzeninstituts war durch die Affäre ramponiert, der Geschäftsschaden enorm.
Guthardt vermutete schon damals, »kriminelle Handlungen« hinter den dubiosen Wertpapiertransaktionen, für die der Wertpapiervorstand Karl-Herbert Schneider-Gädicke mit seinem Rücktritt die »politische Verantwortung« übernahm. Drei Rentenhändler der DG Bank und ihr zuvor gefeuerter Chef Friedrich Steil wurden denn auch im Mai wegen des Verdachts verhaftet, sich »persönlich bereichert« zu haben.
Guthardt allerdings war damit noch nicht zufrieden. Er hatte von Anfang an auch Rolfdieter Kaiser, den Chef der Frankfurter Maklerfirma EDD Euro-Dollar-Devisen, in Verdacht. Über Kaiser war ein Großteil der Deals mit den französischen Banken gelaufen.
Makler Kaiser, 46, war gut im Geschäft. Allein von der DG Bank kassierte er im vergangenen Jahr sechs Millionen Mark an Provision. Er arbeitete mit vielen namhaften Banken zusammen. Rolli, wie viele ihn nennen, ist bei Börsianern bekannt wie ein bunter Hund. Wenn er mittags über die Frankfurter Fußgängerzone, die Freßgaß, zu seinem Stammlokal ging, grüßte er ständig gute Bekannte.
Sein Selbstbewußtsein hatte ihn auch dann noch nicht verlassen, als im Frühjahr Akten mit Kauf- und Verkaufsunterlagen in seinem Büro beschlagnahmt worden waren. Ihm könne »man nichts anhaben«, meinte er damals. Doch Guthardt fand schließlich, bei der Profina in Appenzell, was er suchte, und informierte sofort die Staatsanwaltschaft.
Kaiser wurde Mitte Juli verhaftet. Ihm wird, wie vergangene Woche bekannt wurde, »Beihilfe zur Untreue« vorgeworfen.
Er soll nach den Unterlagen aus der Schweiz insgesamt sieben Millionen Mark für sich beiseite geschafft haben. Ihm wird zur Last gelegt, einer der Drahtzieher der dubiosen Deals gewesen zu sein.
Meist ging es dabei um vorvalutierte Geschäfte, bei denen heute Wertpapiere geordert werden, die an einem bestimmten Tag zu einem festgelegten Kurs geliefert werden sollen. Bei diesen an sich üblichen Geschäften sollen die Kurse manipuliert worden sein.
Die Finanzgesellschaft Profina Limited auf Guernsey bekam immer wieder festverzinsliche Wertpapiere zu einem außergewöhnlich günstigen Kurs von den zwischengeschalteten französischen Banken und gab sie zum Marktkurs weiter an die DG Bank. Dabei fielen Kursgewinne an, die sich in drei Jahren auf runde 21 Millionen Mark addierten.
Die abgeschöpften Gelder wurden nach Appenzell umgeleitet, von wo aus sie, wie die Profina-Unterlagen belegen, den einzelnen Begünstigten zuflossen. Die Händler hatten sich dafür eigens Briefkastenfirmen in Panama zugelegt.
Die Geschäfte hätten schon viel früher auffliegen müssen. Die Profina Limited auf Guernsey, seit 1987 Depotkunde im Hause Guthardts, ließ sich nämlich Ende 1988 just solche Wertpapierkäufe und -verkäufe offiziell von der DG-Bank-Revision bestätigen, bei denen die ungewöhlichen Kursgewinne angefallen waren. Doch bei der DG Bank gab es »Mängel im internen Kontrollsystem«, so die mit der Untersuchung der strittigen Geschäfte beauftragte Prüfungsgesellschaft Treuverkehr.
Guthardt hatte damals als Verantwortlicher für die Revision versagt. Doch mit dem Profina-Kauf, dem Coup in Zürich, hat er einiges wettgemacht. Auch mit diesem Erfolg aber, so meinen seine Kritiker, werde Guthardt es nicht schaffen, daß sein Vertrag im nächsten Jahr verlängert wird.