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Dienstwagen Immer im Dienst

Aufregung um einen Audi V 8: Hat Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl ihn zu Unrecht privat genutzt?
• aus DER SPIEGEL 24/1991
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Er hatte dem Lande lange gedient, zunächst als Staatssekretär in Bonn, dann bei der Bundesbank in Frankfurt. Zwölf Jahre war Karl Otto Pöhl, 61, Präsident des unabhängigen Instituts, oberster Hüter der harten Mark. Als Währungspolitiker hat er sich in aller Welt Respekt verschafft, den eleganten vorzeitigen Abgang hat er sich verdient.

Immer wieder aber gibt es Menschen, die anderen den Abschied in Ehren offenbar nicht gönnen. Nun trifft es auch Pöhl - eine Dienstwagen-Geschichte, enthüllt von mißgünstigen Mitarbeitern, verdirbt dem Präsidenten den ehrenvollen Übergang ins Privatleben.

Pöhl hat über längere Zeit einen von der Bundesbank angeschafften Wagen für private Fahrten benutzt, und seine Frau war bisweilen ebenfalls damit unterwegs.

Nun darf der Präsident zwar nach den Regeln, die der Zentralbankrat aufgestellt hat, seinen Dienstwagen auch privat fahren. Doch der Dienstwagen ist ein Mercedes der S-Klasse; den hat der Bundesbankchef bisweilen verschmäht und privat den Audi V 8 genommen, den die Bank für über 100 000 Mark erworben hatte.

Der gepanzerte Mercedes, gut zweieinhalb Tonnen schwer, war dem Präsidenten zu unhandlich. Er fand, daß der Wagen mühsam zu lenken war, und schließlich macht sich solch ein Fahrzeug im Skiurlaub auch nicht so gut.

Die Frage, die sich Bundesbank-Mitarbeiter indes seit geraumer Zeit stellen, hat Pöhl offenbar nicht sehr bewegt, oder er hat sie sehr rasch bejaht: Braucht der Präsident der Bundesbank - Jahressalär rund 600 000 Mark - neben seinem Daimler einen zweiten starken und teuren Wagen für private Fahrten?

Natürlich hätte der Präsident, wenn er ihn denn schon braucht, einen unauffälligen Pkw fürs Private auch selbst kaufen können. Aber irgendwie ergab es sich so glücklich, daß er sich diese Ausgabe sparen konnte. Der Audi V 8 nämlich, ein spurtstarkes Begleitfahrzeug, war ursprünglich für den Sicherheitsdienst angeschafft worden. Was lag näher, als diesen Achtzylinder mit dem Vierrad-Antrieb umzuwidmen und für Fahrten zum Golfplatz oder in die Berge einzusetzen? Den geldwerten Vorteil, den Pöhl dadurch erhielt, habe er selbstverständlich versteuert; es habe ihn mehrere tausend Mark im Jahr gekostet. Mehr als, vielleicht, ein schlechtes Gewissen und, mit Sicherheit, nun ein bißchen Ansehen hat ihn der Audi indes nicht gekostet.

Ein Bundesminister, das gilt seit eh und je, ist immer im Dienst. Dann ist es wohl auch der Präsident der Bundesbank. Bundesminister dürfen daher ihre Dienstwagen auch privat nutzen; allerdings zahlen sie monatlich dafür einen Ausgleich von 1750 Mark.

Daß auch unter Ministern und Parlamentariern mit Dienstwagen nicht immer ganz korrekt gefahren wird, hatte kürzlich der Bundesrechnungshof einmal mehr bestätigt. Hans Süssmuth, Gatte der Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, war oft mit dem 100 000 Mark teuren Mercedes 420 SEL unterwegs, der seiner Frau im Fuhrpark des Bundestages zur Verfügung steht.

Fast wäre Rita Süssmuth, als der Fauxpas im März dieses Jahres ruchbar wurde, zurückgetreten. Pöhl kommt gar nicht in die Versuchung, der Abschied ist ja schon genommen.

Doch Pöhl hat offenbar aus dem Fall Süssmuth gelernt. Seinen Zweit-Dienstwagen, den spurtstarken Audi, hat er Anfang Mai der Bank zurückgegeben - wenige Wochen nach der Aufregung um Herrn und Frau Süssmuth. o

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