Imperien Gasprom kauft "Kommersant"
Moskau - Gasprom-Manager verhandeln nach Informationen der Tageszeitung "Vermosti" zurzeit mit dem "Kommersant"-Eigentümer, Badri Patarkatsischwili, über die Modalitäten einer Übernahme. Sollte der Verkauf zustande kommen, würde der Kreml indirekt die Kontrolle über eine der letzten unabhängigen Zeitungen des Landes erlangen.
"Kommersant" hat sich mit markigen Überschriften, auffälligen Bildern und - vor allem - mit unabhängiger Berichterstattung in Russland einen guten Namen erworben. Die Zeitung gehörte einst zum Medienimperium des russischen Oligarchen Boris Beresowski, der nach Großbritannien geflüchtet ist, nachdem er im Kreml in Ungnade gefallen war. Erst im Februar hatte er den ihm noch verbliebenen 50-Prozent-Anteil an Patarkatsischwili verkauft.
Mit der Übernahme des "Kommersant" würde die Medien-Sparte von Gasprom ihren Einfluss noch einmal erweitern. Erst im vergangenen Jahr hatte der Energieriese die angesehene Tageszeitung "Iswestija" übernommen. Außerdem kontrolliert Gasprom den Fernsehsender NTV und die Radiostation Echo Moskau, deren Redaktion noch immer den Ruf als unabhängig und regierungsfern genießt.
Kritiker werfen Putin seit längerem vor, die Medien in Russland unter seine Kontrolle bringen zu wollen. Mit unablässigem Druck habe es der Kreml inzwischen erreicht, dass häufig nur noch Regierungspropaganda verbreitet werde. Der demokratische Wandel werde auf diese Weise massiv behindert.
mik/reuters