Import-Zigaretten: Raucher mögen es steuerfrei - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Import-Zigaretten Raucher mögen es steuerfrei

Der Absatz von Zigaretten sank im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent. Die Raucher stören sich am hohen Preis und griffen vermehrt zu Zigarillos, Zigarren - und billigeren Tabakwaren aus dem Ausland.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Rund 859 Millionen Euro weniger hat der Staat im vergangenen Jahr aus der Tabaksteuer eingenommen als 2005: Ein Rückgang um 0,9 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro. Insgesamt wurden Tabakwaren im Wert von 23,1 Milliarden Euro in Deutschland umgesetzt und versteuert, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Das Aus für günstige Steckzigaretten im April 2006 senkte den Absatz von Tabak-Feinschnitt um fast ein Drittel. Der Europäische Gerichtshof hatte geurteilt, es müsse derselbe Steuersatz wie für fertige Zigaretten angewendet werden. Der Verkauf von Feinschnitt ging daraufhin um 31,7 Prozent auf 22.702 Tonnen zurück, die Steuereinnahmen brachen um fast 37 Prozent auf 2,3 Miliarden Euro ein.

Rund 93 Milliarden Zigaretten wurden im vergangenen Jahr zu einem Stückpreis von durchschnittlichen 21,3 Cent verkauft, 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Trotz Absatzrückgang stiegen die Einnahmen durch Erhöhung des Steuersatzes leicht an. Mit 19,9 Milliarden Euro nahmen die Erträge aus der Steuer auf Zigaretten um 1,9 Prozent zu.

Alternativen zur hoch versteuerten Zigarette

Die Raucher griffen stattdessen zu Alternativen: Mit einem Plus von 37,7 Prozent hat der Absatz von Zigarren und Zigarillos auf fast 5,6 Milliarden Stück deutlich zugenommen. Mit insgesamt 922 Tonnen wurde außerdem 14,7 Prozent mehr Pfeifentabak verkauft.

Die Tabak-Lobby vermutet außerdem, dass Konsumenten vermehrt zu günstigeren Tabakwaren aus den östlichen Nachbarstaaten greifen. Die hohe Tabaksteuer ginge deshalb nicht nur zu Lasten der Verbraucher und Produzenten, sondern auch zu Lasten des Staates, dem so Millionen Steuereinnahmen durch die Lappen gingen.

Der Verband der Cigarettenindustrie (VdC) hat errechnet, dass in Deutschland mittlerweile jede fünfte Zigarette an der Steuer vorbei geraucht wird. Seit August 2004 werden für eine Statistik an 22 Entsorgungsstationen des Grünen Punktes monatlich 12.000 leere Zigarettenpackungen gesammelt und auf Steuermarken überprüft.

Der Anteil nicht in Deutschland versteuerter Zigaretten stieg demnach im vergangenen Jahr auf rund 20 Prozent an - rund vier Prozent mehr als noch im Jahr 2005. In den Grenzregionen zu Polen und Tschechien sei jede Dritte gerauchte Zigarette nicht in Deutschland versteuert gewesen, schätzt der VdC.

ore/AP/dpa/ddp

Mehr lesen über