Indien-Expansion "Playboy" hofft auf sexuelle Revolution
Mumbai - Die berühmten Playmates wird man in der Indien-Ausgabe vergebens suchen. Auch über einen anderen Namen denken die Macher nach - schließlich will man in der prüden indischen Gesellschaft, in der schon ein Kuss in einem Liebesfilm als obszön gilt, nicht gleich anecken.
"Playboy"-Verlegerin Christie Hefner ist trotzdem zuversichtlich, ihren Lesern ein spannendes Heft bieten zu können. "Lifestyle, Pop-Kultur, Prominentengeschichten, Mode und Sport werden die Themen sein, auf die wir uns konzentrieren", sagte Hefner der "New York Times". Außerdem würden Auszüge aus Interviews des US-Magazins abgedruckt.
Hefner betrachtet den Sprung auf den indischen Markt eher als Investition in die Zukunft. Der Zeitgeist in Indien nach der Jahrtausendwende sei mit dem amerikanischen der fünfziger Jahre vergleichbar, sagte sie. Die sexuelle Revolution sei im privaten Bereich bereits in vollem Gange. Einer Studie von AC Nielsen zufolge hätten bereits 25 Prozent der unverheirateten Frauen in den Städten Sex. Der Anteil derjenigen, die erotische Magazine lesen, sei noch höher. Es dauere lediglich noch eine Weile, bis sich die gesellschaftlichen Konventionen entsprechend geändert hätten.
Tabubruch: Ein Kuss auf der Leinwand
Die indische Filmindustrie habe bereits erste Tabus gebrochen, schreibt die "New York Times". Vereinzelt sei in den Produktionen der indischen Filmindustrie bereits ein Kuss zu sehen.
Aber auch jetzt schon gibt es gute Gründe für ein Engagement auf dem indischen Markt. Denn zu Hause fällt es dem "Playboy" zunehmend schwerer, Leser zu finden. Die Verkaufszahlen des US-Hefts gingen 2004 um ein Prozent zurück. Die Ableger im Ausland - der "Playboy" erscheint in 20 verschiedenen Auslandsausgaben - konnten allerdings um satte 13 Prozent zulegen.
Und auf dem indischen Markt rechnen sich die Macher Chancen aus, sogar diese üppigen Wachstumsraten zu übertreffen. Mit 200 Millionen Lesern und einer Gesamtauflage von 79 Millionen Zeitungen und Illustrierten ist dieser der zweitgrößte nach China. Mit Printwerbung setzen die Verlage 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr um, Tendenz steigend.
Attraktive Zielgruppe
Hinzu kommt, dass in den Städten eine neue Klasse gebildeter, westlich orientierter Männer herangewachsen ist, die über ein hohes Einkommen verfügt. Genau diese Zielgruppe hat der indische "Playboy" im Visier.
Dass man trotzdem mit äußerster Zurückhaltung auf dem Markt auftritt, ist den konservativen Kräften in der indischen Gesellschaft geschuldet. Noch nämlich üben diese beträchtlichen Einfluss aus. So ließen zum Beispiel die Behörden einen Platz in Madras absperren, auf dem die Regionalpresse küssende Paare fotografiert hatte.
Den Konventionen unterwerfen sich auch die Magazine, denen der "Playboy" Konkurrenz machen soll. Im Zeitschriftenladen liegen sie versteckt hinter seriösen Magazinen und werden nur auf Nachfrage herausgegeben.